German Media Outlook: Schrittweiser Wandel

28. Dezember 2013

Der Einleitungsbeitrag unseres Bandes »Internet, Mobile Devices und die Transformation der Medien« (Berlin 2013) kam zu dem Schluss, dass sich der derzeitige Medienwandel entgegen gängiger Narrative »nicht als radikaler Bruch in kurzer Frist« vollzieht, sondern als asynchroner, »sukzessiver und vielschrittiger Rekonfigurationsprozess, der sich über längere Zeiträume […] erstreckt«, da größere sozioökonomische bzw. institutionelle Veränderungen nach wie vor verhandlungs- und zeitintensiv sind.

Neues Zahlenmaterial in diese Richtung liefert der in Q4/2013 erschienene »German Entertainment and Media Outlook« von PricewaterhouseCoopers, dessen Ergebnisse sich u.a. in einigen Vortragsslides zu den Medientagen München finden:

  • Nach Einschätzung der Analysten wird die deutsche Medienwirtschaft bis 2017 um etwas mehr als 2 Prozent wachsen: 2012 betrug der Gesamtumsatz im Medien- und Unterhaltungsbereich ca. 65 Mrd. Euro; 2017 sollen es ca. 72 Mrd. Euro sein. Die umsatzstärksten Segmente bleiben dabei wie 2012 die Bereiche Internetzugang, Fernsehen, Bücher, Zeitungen und Zeitschriften sowie Online-Werbung.
  • Die Konsumentenausgaben sollen zwischen 2013 und 2017 im Bereich Internet um 5,9 Prozent, im Bereich Film um 4,3 Prozent, im Bereich Videospiele um 3,3 Prozent sowie in den Bereichen TV und Musik um ca. 2 Prozent steigen. In den Bereichen Zeitungen, Hörfunk und Bücher steigern sich die Ausgaben kaum, einen Rückgang von über 1 Prozent erleben nach dieser Schätzung Zeitschriften. Da die Werbeerlöse zudem insbesondere bei den Zeitungen zurückgehen sollen (-6,4 Prozent), wird der Gesamtumsatz im Bereich der Periodika insgesamt als rückläufig eingeschätzt.
  • Die Zeit der Desktop-PCs ist gemessen an den prognostizierten Absatzzahlen endgültig vorbei (Absatz 2013–2017: -5 Prozent); Laptops legen laut den PWC-Prognosen leicht zu (2013–2017: +6 Prozent); Mobile Devices legen ausgehend von einem ohnehin hohen Niveau im Prognosezeitraum ein Absatz-Wachstum von 16 (Smartphones) bzw. 31 Prozent (Tablets) hin. Allerdings lohnt es sich im Hinterkopf zu behalten, dass mobile Endgeräte vor 2007 (Launch iPhone) bzw. 2010 (Launch iPad) noch gar nicht auf der Vorhersageagenda standen – insofern könnte die Einführung neuer Geräteklassen heutige Projektionen rasch obsolet werden lassen.
  • Ein bird’s-eye view auf die Digitalisierung in den einzelnen Segmenten 2008, 2012 und 2017 (Schätzung) zeigt auf, dass sich die digitale Transformation überaus asynchron vollzieht (siehe Tabelle): Während der Anteil der digital distribuierten Zeitungen auch 2017 noch auf lediglich 9 Prozent geschätzt wird, erreichen belletristische E-Books in dieser Darstellung bereits einen Anteil von rund 16 Prozent. In den Bereichen Musik und Videogames wird die digitale Distribution 2017 bereits einen geschätzten Anteil von +/-50 Prozent einnehmen.

 
Anteile digitaler Distribution (BRD)

VideogamesMusikBell. BücherZeitschriftenZeitungenGesamt
201751%49%16%14%9%42%
201234%21%3%4%3%32%
200818%9%1%1%24%
Quelle: PwC (2013): German Entertainment and Media Outlook 2013–2017