SOI Discussion Paper: Technology and the Promise of Decentralization

11. März 2019

In der Reihe Stuttgarter Beiträge zur Organisations- und Innovationssoziologie ist das Diskussionspapier »Technology and the Promise of Decentralization« erschienen:

Digitalization has long been associated with the promise of a technology-enabled decentralization of social conditions. Although such expectations have regularly fallen short, their underlying generic vision has proven to be astonishingly stable. This paper strives to trace the origin of the notion of decentralizing socioeconomic forms of coordination through technological means-from the do-it-yourself scene of the late 1960s, the computer counterculture of the 1970s and the 1980s, and the debates on cyberspace and Web 2.0 in the 1990s and 2000s to present day ideas of decentralized and distributed forms of production and economic systems. An elaboration of the basic patterns of arguments behind technology-based promises of decentralization and their communicative functions then follows.


Handbuch Methoden der empirischen Sozialforschung (2. Auflage)

19. Februar 2019

Das Handbuch Methoden der empirischen Sozialforschung, (2. Auflage, Hg. von Nina Baur und Jörg Blasius) findet sich nun auf SpringerLink.

Das Handbuch ist das erste im deutschen Sprachraum, in dem qualitative und quantitative Methoden gleichberechtigt dargestellt werden und in dem systematisch nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden hinsichtlich Problemen, Prinzipien, Vorgehensweisen, Standards und Gütekriterien für beide Forschungstraditionen gefragt wird. Um diese Fragen zu beantworten, diskutieren ausgewiesene Experten in 112 Beiträgen den aktuellen Stand der Forschung und bieten Forschenden, Lehrenden und Studierenden einen detaillierten Überblick über die verschiedenen Methoden der empirischen Sozialforschung. Die Schwerpunkte liegen dabei auf der Datenerhebung, also auf standardisierten und offenen Befragungen, sowie auf den digitalen Methoden. Des Weiteren werden auch zahlreiche andere aktuell verwendete Datentypen ausführlich vorgestellt.

In dem neu geschaffenen Teilbereich »Digitale Methoden« findet sich auch ein Beitrag von Jasmin Siri und mir unter dem Titel »Facebook und andere soziale Medien«.

Eine der zentralen Lehren der noch jungen Social-Media-Forschung besteht in der Berücksichtigung der soziotechnischen Produktionsbedingungen einer Kommunikation im jeweiligen Medium. So zeichnen sich die Plattformen und Dienste im Social Web durch jeweils spezifische Medienlogiken aus, unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Restriktionen und Anforderungen an die Kommunikation und treten auf diese Weise selbst in Interaktion mit ihren Usern […]. Eine zusätzliche Herausforderung für die empirische Rekonstruktion digitaler Kommunikationsdynamiken ergibt sich aus der ineinander verschränkten Verwendung der verschiedenen Networking- und Messaging-Kanäle im Social Web, welche jeweils anlassbezogen kombiniert werden. Je nach sozialer Verortung sowie privaten bzw. beruflichen Anforderungen verfügen nicht nur sogenannte ‚Digital Natives‘ über höchst individuell organisierte Social Media Repertoires, die sich durch Sozialwissenschaftler allenfalls partiell einsehen lassen.


Call for Papers: The Great Digital Transformation

25. Januar 2019

Auf der DGS-Regionalkonferenz im Herbst 2019 in Jena veranstaltet die Sektion Wissenschafts- und Technikforschung eine Session zum Thema »The Great Digital Transformation. Die Digitalisierung im sozioökonomischen und historischen Kontext«. Nachfolgend der Call for Papers:

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Querverweis: »Ressentiments«

6. Januar 2019

Auf Soziopolis lässt sich seit einigen Wochen ein Text von Cornelia Koppetsch abrufen, der sich – u.a. ausgehend von Büchern von Francis Fukuyama sowie Mark Lilla – in lesenswerter Weise mit dem Thema Ressentiments auseinandersetzt:

»[…] Ressentiments erwachsen also aus der Diskrepanz zwischen gefühlten Anrechten und faktischen Positionen. Das ist auch der Grund, warum sie mit höherer Wahrscheinlichkeit in gesellschaftlichen Umbruchphasen auftreten, in denen das Schichtungsgefüge und damit auch das System von Anrechten und Privilegien durcheinander gewirbelt werden […]. Die Betroffenen gewinnen den Eindruck, dass bislang für selbstverständlich gehaltene Gerechtigkeitsnormen außer Kraft gesetzt werden und drohen, nicht nur das Spiel zu verlassen, sondern im Extremfall auch noch den Spieltisch umzuschmeißen.

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Kurz notiert: Rezension zu »Collectivity and Power on the Internet«

18. Dezember 2018

In der Zeitschrift Information Research ist eine Rezension zu unserem Buch »Collectivity and Power on the Internet« erschienen:

The whole book is devoted to the investigation of collective social actors on the internet, their rise, specific features, means of acquiring and losing power on the internet, their role online and technology role in their activities, and the basis of continuing survival. 

 […] Chapter 2 provides a basic typology of social actors involved in collective actions on the Internet, starting with spontaneously emerging short-term swarms or flash-crowds to institutionalized production-oriented communities. […] Chapter three critically examines the social movements and changes that the use of digital technology has brought to their activities.[…] Social media do not replace mass media or conventional forms of protest, but enhance the possibilities of networking and feedback beyond the scope of social movement or protest event.

[…] I have found very interesting the next chapter on open source communities, which exposes the loss of their disruptive edge and the new role in the strategy of innovation as incubators of new solutions. […] I liked the classification of the open sourse software projects in relation to two axes of corporate leverage and levels of coordination that helps understanding the variety of projects and initiatives in this field. The most impressive part […] is the discussion of the present state of the open source initiatives and the future potential of openness discourses for the economic and political fields.

The final chapter on the competition and power of the main Internet companies was both most interesting and probably least new to me. I appreciated the logic and the depth of the arguments that were employed to reveal the sources of power, the nature of competition, and the strategies leading to success of the five dominant internet companies. […]


Kurz notiert: »Co-Creation. Reshaping Business and Society in the Era of Bottom-up Economics«

19. November 2018

Der anwendungsorientierte Band »Co-Creation. Reshaping Business and Society in the Era of Bottom-up Economics« ist erschienen – darin auch mein kontextualisierender Beitrag »Understanding Open Source Software Communities«. Über den Band:

Across several industries, we are observing a paradigm shift from traditional, firm-centric and top-down value creation to more open and collaborative approaches, also referred to as bottom-up economics. The boundaries of firms dissolve and external actors (customers, user, suppliers etc.) enter the domain of value creation by means of advanced information and communication technologies. These new and evolving patterns require a renewed and interdisciplinary understanding of how co-creation enables organizations to reshape business and society.

With contributions from industrial and academic experts, this book provides deep insights into the theory and practice of bottom-up economics, and addresses the major opportunities and challenges that have emerged in the era of co-creation. 


AWA Studie 2018 kompakt

2. September 2018

Im Sommer ist die diesjährige Ausgabe der seit 1959 durchgeführten Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse (AWA) zu den Konsum- und Mediengewohnheiten der deutschen Bevölkerung (23.389 Befragte insgesamt; Herbst 2017 / Frühjahr 2018; Grund­gesamtheit: deutschspr. Bevölkerung ab 14 J.) ist erschienen. Einige Ergebnisse:

Internetnutzung

  • 54 Prozent der Befragten gaben an, dass Internet ständig oder mehrmals täglich zu nutzen, 23 Prozent gaben »einmal am Tag, mehrmals in der Woche«, 5 Prozent »höchstens einmal in der Woche« zu Protokoll.
  • 90 Prozent der 14- bis 29.-Jährigen und 55 Prozent der +30-Jährigen gaben an, mit dem Smartphone mobil online zu gehen.

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Technikutopismus: Vom Whole Earth Catalog zur Maker Economy — Teil 2

5. August 2018

Nachfolgend Ausschnitte aus einem im Herbst erscheinenden Diskussionspapier zu offenen Werkstätten und Collaborative Commons — Teil 2 von 3 (Teil 1):

In der BRD gewannen politisch begründete DIY-Praktiken, nachdem sich in der Nachkriegszeit aus wirtschaftlichen Engpässen heraus bereits eine Kultur des Selbermachens ausgebildet hatte (z.B. entlang der Schnittmuster der Zeitschrift Burda Moden), mit den Umweltbewegungen der 1970er-Jahre an Prominenz (Andersen 1997): Neben im Fernsehen omnipräsenten Natur- und Tierfilmern wie Horst Stern und Bernhard Grzimek, die Umweltsünden stetig expliziter herausstellten, stellte der 1972 erschienene Report »The Limits to Growth« des Club of Rome den zuvor in der Bevölkerung verankerten Fortschrittsglauben in Frage und schuf ein Grundverständnis für ökologische Ungleichgewichte (Engels 2006; Brand et al. 1997). Eine Antwort auf das daraus resultierende Unbehagen bestand in alternativen Szenen nach dem großpolitischen Scheitern der »68er«-Bewegung in einer Änderung des persönlichen Lebensstils, der sich von Marktzwängen freizumachen suchte und in einer Wiederentdeckung des kleinen Handwerks mündete (Radkau 2011). Eine koordinierende Funktion übernahmen Stattzeitungen, die in ihrer Aufmachung Ähnlichkeit zum WEC aufwiesen (Drücke 1998).

Die konzeptuelle Basis hinter dieser Hinwendung zu dezentral organisierten Produktions- und Konsumweisen bestand – neben einem Konvolut an alarmierenden Schriften zum naturzerstörenden Einfluss des Menschen (Hermand 1991) – in zahlreichen großindustriekritischen Arbeiten u.a. von Robert Jungk (1973), Otto Ullrich (1977) und Ernst F. Schumacher (1973). Insbesondere Schumachers Vorstellung einer »economics of permanence«, die großen Einfluss auf die internationale Umweltbewegung hatte, nahm zentrale Ideen einer Postwachstumsgesellschaft vorweg und sah den Schlüssel für ein Überleben der Menschheit ähnlich wie Stewart Brand in einem veränderten Umgang mit existenten und künftigen Technologien:

»[…] a technology with a human face, is in fact possible […]. It serves production by the masses instead of mass production. […] I have no doubt that it is possible to give a new direction to technological development, a direction that shall lead it back to the real needs of man, and that also means: to the actual size of man. Man is small, and, therefore, small is beautiful. To go for gigantism is to go for self-destruction.« (Schumacher 1973: 117f.)

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