Splitter: Mythos Digital Natives

3. August 2017

Seit dem mittlerweile allseits bekannten Aufschlagstext (2001) von Marc Prensky hat die Unterscheidung von »Digital Natives« und »Digital Immigrants« eine erstaunliche diskursive Karriere hingelegt.

»What should we call these ›new‹ students of today? Some refer to them as the N-[for Net]-gen or D-[for digital]-gen. But the most useful designation I have found for them is Digital Natives. Our students today are all ›native speakers‹ of the digital language of computers, video games and the Internet.

So what does that make the rest of us? Those of us who were not born into the digital world but have, at some later point in our lives, become fascinated by and adopted many or most aspects of the new technology are, and always will be compared to them, Digital Immigrants.«

Ein in diesem Sommer erschienener feldüberblickender Artikel (Kirschner/Bruyckere 2017) kommt nun allerdings zu dem Schluss, dass es diesen in den Feuilletons und in den Sozialwissenschaften vielreferenzierten, technikkompetenten und zum ständigen Multitasking befähigten »Digital Native« realiter gar nicht gibt:
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Kurz notiert: »New Modes of Shaping Social Change?«

1. August 2017

Ende Juli ist der von Bielefelder Kolleginnen und Kollegen herausgegebene Band »Society, Regulation and Governance New Modes of Shaping Social Change?« bei Edward Elgar Publishing erschienen. Darin finden sich Beiträge von A.-L. Beaussier, A. Bora, E. Carmel, M. Huber, D. Kuchenbuch, M. Mölders, P. Münte, R. Paul, H. Rothstein, J.-F. Schrape und L. Viellechner.

This book brings together sociologists, political scientists, legal scholars and historians to produce an interdisciplinary critical evaluation of alleged ›new modes‹ of social change, specifically: risk, publics and participation. It makes three key contributions by:

  • offering a consolidation and re-appraisal of a debate that has become increasingly vague with its academic and political proliferation
  • identifying a uniting conceptual-analytical core between regulation and governance which explains the adaptability and innovation-mindedness of processes of ›shaping society‹
  • re-focusing on the ›essence‹ of regulation and governance approaches – intentional modes of social change.

Reinlesen lässt sich in den gelungenen Band auf ElgarOnline; mein Kapitel findet sich in einer frühen Version als Discussion Paper auf EconStor.


AWA 2017 kompakt

19. Juli 2017

Die diesjährige Ausgabe der seit 1959 durchgeführten Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse (AWA) zu den Konsum- und Mediengewohnheiten der deutschen Bevölkerung (23.356 Befragte insgesamt; Herbst 2016 / Frühjahr 2017; Grund­gesamtheit: deutschspr. Bevölkerung ab 14 J.) ist erschienen. Einige Ergebnisse:

(Mobile) Internetnutzung

  • 90 Prozent der 16- bis 69-Jährigen nutzten das Internet (2010: 77 Prozent); damit folgt die Verbreitung des Internets im Groben in seiner Geschwindigkeit der Verbreitung des Fernsehens in der BRD ab 1956.
  • Das tägliche Zeitbudget für die Mediennutzung insgesamt ist für die Bevölkerung ab 14 Jahren im Schnitt leicht rückläufig (2005: 10 h, 2017: 9:26 h).
  • Anfang 2017 hatten 68 Prozent der Befragten und 94 Prozent der unter-30-jährigen Befragten ein Smartphone zur Verfügung (dafür gaben 14 Prozent der Haushalte an, keinen Festnetzanschluss mehr zu haben).
  • 51 Prozent der Befragten gaben an, das Internet »ständig, fast die ganze Zeit, mehrmals täglich« zu nutzen. 36 Prozent fanden es wichtig, immer erreichbar zu sein; 31 Prozent verschicken lieber Textnachrichten als zu telefonieren.
  • Zum Nutzerkreis von »sozialen Netzwerken« gehörten 77 Prozent der 14- bis 29-Jährigen, 56 Prozent der 30- bis 44- und 31 Prozent der 45- bis 59-Jährigen.

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Die Institutionalisierung des Kollektiven im Netz

6. Juli 2017

Aus: Dolata, Ulrich / Schrape, Jan-Felix (2018): Kollektivität und Macht im Internet. Wiesbaden: Springer VS (S. 24–30).

Vieles, was Bewegungen und Gemeinschaften auszeichnet, hat sich mittlerweile [in den Online-Bereich] verschoben: kollektive Meinungsbildung und Abstimmung, politische Kampagnen und Mobilisierung, Organisierung und Koordination der Aktivitäten, fachlicher Austausch und gemeinschaftliche Produktion.

Die genannten sozialen Merkmale der Institutionalisierung kollektiver Akteure werden dadurch zwar nicht außer Kraft gesetzt. Sie werden allerdings substanziell erweitert um neue Organisierungs- und Strukturierungs­leistungen von Kommunikation, Produktion und Protest, die das Internet und seine Plattformen als technologische Infrastrukturen bieten.

Dementsprechend lässt sich die Institutionalisierung des Kollektiven heute nicht mehr als rein sozialer, sondern nur noch als soziotechnischer Prozess auf angemessene Weise abbilden: als systematische Verschränkung von sozialen und technischen Organisierungs- und Strukturierungsleistungen, deren Zusammenspiel allerdings von Fall zu Fall erheblich variiert […].

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Neues Buch: Kollektivität und Macht im Internet

17. Juni 2017

Anfang Juli erscheint das von mir und Ulrich Dolata zusammengestellte Buch »Kollektivität und Macht im Internet: Soziale Bewegungen – Open Source Communities – Internetkonzerne« (Amazon, 19,90 Euro). Das Einführungskapitel lässt sich schon jetzt als Leseprobe bei Springer VS herunterladen.

Das Buch geht den Fragen nach, wie sich die vielfältigen neuartigen Formen von Kollektivität in der Internetgesellschaft voneinander unterscheiden und typisieren lassen und welche Rolle die technischen Infrastrukturen des Netzes für deren Entstehung bzw. Verstetigung spielen. Es wird diskutiert, auf welche Weise sich die Mobilisierung und Organisierung sozialer Bewegungen durch Social Media verändert, wie Arbeits- und Entscheidungsprozesse in Open-Source-Communities strukturiert sind und über welche ökonomische und regelsetzende Macht die großen Internetkonzerne als wesentliche Gatekeeper und Kuratoren der Kommunikation im Netz heute verfügen.


SOI Discussion Paper: Open Source Projects as Incubators of Innovation

14. Mai 2017

In der Reihe Stuttgarter Beiträge zur Organisations- und Innovationssoziologie ist ein neues Discussion Paper mit dem Titel »Open Source Projects as Incubators of Innovation. From Niche Phenomenon to Integral Part of the Software Industry« (Volltext) erschienen:

Over the last 20 years, open source development has become an integral part of the software industry and a key component of the innovation strategies of all major IT providers. Against this backdrop, this paper seeks to develop a systematic overview of open source communities and their socio-economic contexts. […] Further, I examine why open source projects have mainly lost their subversive potential while, in contrast to former cases of collective invention, remaining viable beyond the emergence of predominant solutions and their commercial exploitation: In an industry that is characterized by very short innovation cycles, open source projects have proven to be important incubators for new product lines and branch-defining infrastructures. They do not compete against classical forms of production but instead complement and expand these.

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Splitter: »Information Operations and Facebook«

2. Mai 2017

Ende April hat Facebook den Bericht »Information Operations and Facebook« veröffentlicht (Autoren: Jen Weedon, William Nuland, Alex Stamos). Darin diskutiert das Unternehmen zurückliegende ›Informationsfeldzüge‹ (etwa im US-Wahlkampf) und inwiefern neuartige Analysetechnologien diesbezüglich Abhilfe schaffen könn(t)en:

»Civic engagement today takes place in a rapidly evolving information ecosystem. More and more, traditional forums for discussion, the exchange of ideas, and debate are mirrored online on platforms like Facebook – leading to an increase in individual access and agency in political dialogue, the scale and speed of information consumption, as well as the diversity of influences on any given conversation. […] The overuse and misuse of the term ›fake news‹ can be problematic because, without common definitions, we cannot understand or fully address these issues. […] We’ve adopted the following terminology to refer to these concepts:
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Linear TV is not dead yet

25. April 2017

Im aktuellen Heft der Media Perspektiven findet sich ein Artikel von Camille Zubayr und Heinz Gerhard, der sich auf der Basis von Daten der AGF sowie GfK mit den inländischen Fernsehgewohnheiten und -Reichweiten beschäftigt. Die präsentierten Erhebungsergebnisse führen vor Augen: Das lineare Fernsehen war 2016 mit durchschnittlich 223 Minuten täglicher Nutzungsdauer (über alle Altersgruppen hinweg) nach wie vor mit Abstand das meist genutzte Alltagsmedium.

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