Digitale Methoden: Social-Media-Plattformen

12. Oktober 2026

Die vierte Auflage des Handbuchs Methoden der empirischen Sozialforschung (herausgegeben von Nina Baur und Jörg Blasius) ist gerade erschienen – und mit ihm der Beitrag von Jasmin Siri und mir zur sozialwissenschaftlichen Beforschung und Analyse von Social-Media-Plattformen:

»Das Social Web bietet den empirischen Sozialwissenschaften einen gewaltigen Pool an mehr oder minder unkompliziert verfügbaren Daten und Inhalten. Schon aus dieser schieren Disponibilität ergeben sich eine Vielzahl an Herausforderungen – von der Problematik der Datenauswahl über Fragen der Reliabilität bis hin zu Problemen der Repräsentativität und Generalisierbarkeit sowie der Zeitstabilität der Medien selbst. Darüber hinaus resultieren aus der Multiplizität technisch vermittelter Öffentlichkeiten, den vielfältigen Mischformen zwischen privater und öffentlicher Kommunikation im Social Web […], den je nach Plattform divergenten Medienlogiken und der nutzungspraktischen Verschränkung unterschiedlicher Medien- und Kommunikationskanäle eine Vielzahl weiterer Herausforderungen und Problemstellungen in der sozialwissenschaftlichen Datenanalyse, die gerade erst Objekt methodologischer Diskussionen werden. Insbesondere die onlinezentrierte Sozialforschung […] sollte sich dementsprechend bewusst darüber sein, dass ihre Forschungsresultate selbst im Fall einer kundigen methodenpluralen Vorgehensweise […] nicht mehr als eine […] Annäherung an empirische Tatbestände bleiben.«

Der Beitrag diskutiert Anwendungsgebiete der Social-Media-Forschung, Datenquellen, Fragen der Feldbabgrenzung, des Samplings und der Auswertung, methodologische Problemstellungen sowie Möglichkeiten und Grenzen des Einsatzes künstlicher Intelligenz.


ARD/ZDF-Medienstudie 2026

28. September 2026

Ende September ist die ARD-ZDF-Medienstudie 2026 erschienen, die aus der seit Mitte der 1960er-Jahre erhobenen Langzeitstudie Massenkommunikation und der seit 1997 erhobenen ARD/ZDF-Onlinestudie hervorgegangen ist. Sie basiert auf einer Zufallsstichprobe (70% Telefon-Stichprobe mit Dual-Frame und 30% Online-Stichprobe; N=2.462), ist repräsentativ angelegt für die deutschsprachige Wohnbevölkerung ab 14 Jahren und wurde zwischen dem 27. Januar und 19. April 2026 erhoben. Ausführliche Artikel finden sich in den Media Perspektiven.

Einige Kernergebnisse:

  • Mediennutzung insgesamt: Die Befragten nutzten täglich netto 385 Minuten Medien; gegenüber 2025 ist das nahezu unverändert.
  • Video: 71% der Befragten sahen min. wöchentlich das laufende TV-Programm, 56% taten dies an einem durchschnittlichen Tag. Bei Befragten unter 50 dominierten non-lineare Angebote; bei 14- bis 29-Jährigen entfielen fast 50% der Bewegtbildzeit auf Social-Video, YouTube und vergleichbare Onlinevideos. 46% der Befragten insgesamt nutzten wöchentlich Video-Streamingdienste; gegenüber 2025 bleiben die meisten Videoangebote in ihrer Reichweite stabil (neben den Mediatheken von ARD und ZDF sind Amazon Prime Video und Netflix führend).
  • Audio: Radio bleibt das dominante Audioangebot; 76% der Befragten hörten wöchentlich Radio, 60% täglich. Bei den Befragten über 30 dominierte Radio auch nach Nutzungsdauer; bei 14- bis 29-Jährigen lag Musikstreaming vorn: In dieser Altersgruppe nutzten es 85% wöchentlich (Spotify war vor YouTube Music der meistgenutzte Audio-Streamingdienst).
  • Text: 90% der Befragten griffen mindestens wöchentlich mediale Texte zu; Onlineartikel lagen dabei vor Print, während gedruckte Zeitungen und Zeitschriften bei Personen ab 50 nach wie vor die höchste Relevanz besaßen.
  • KI: 37% verwendeten Anwendungen wie ChatGPT mindestens wöchentlich (2025: 22%). Das Altersgefälle ist hier besonders groß: 68% bei den 14- bis 29-Jährigen gegenüber 8% bei Personen ab 70.
  • Social Media: Instagram lag mit 40% mindestens wöchentlicher Nutzung klar vor Facebook (28%) und TikTok (18%).
  • Gaming: 39% der Befragten haben an, mindestens wöchentlich zu spielen; bei den unter 30-Jährigen waren es 67%.
  • Gerätenutzung: Bei 14- bis 29-Jährigen war das Smartphone mit 95% Tagesreichweite das zentrale Gerät; TV- und Radiogeräte waren dort deutlich weniger präsent als in älteren Gruppen. Bei Befragten ab 70 wurde das Fernsehgerät am häufigsten täglich genutzt.

Ingesamt zeigt sich: Die Mediennutzung unterliegt weiterhin einer Fragmentierung und unterscheidet sich stark nach Altersgruppen, ohne dass etablierte Medienformen abrupt verschwinden. Das Zeitbudget und die Reichweiten vieler Medienformate bleibt im Jahresvergleich relativ stabil, volatiler erscheinen die Zugangsweisen und Plattformbindungen; weiterhin Wachstum zeigt die Nutzung generativer KI.


Digital News Report 2026

1. Juli 2026

Der seit 2012 erhobene Reuters Institute Digital News Report 2026 ist erschienen. Er bietet einen umfassenden Überblick zur weltweiten Rezeption von Nachrichten und Nutzung aktueller Informationsquellen. In Deutschland fand die Erhebung zwischen dem und dem 22. Januar 2026 statt; die Stichprobe ist für Onliner ab 18 Jahren repräsentativ. Hier die wichtigsten Links dazu:

Einige Kernergebnisse für Deutschland:

  • 67 Prozent der Befragten nutzen min. einmal pro Woche Nachrichten im Internet; 36 Prozent kommen dort min. wöchentlich mit Nachrichten in Kontakt.
  • 60 Prozent der 18- bis 24-Jährigen rezipieren Nachrichten auf Social-Media-Plattformen; für 44 Prozent sind News über Social Media die wichtigste Quelle; für 17 Prozent sind sie »die einzige Quelle für Nachrichten«.
  • 90 Prozent der Befragten kommen mehrmals pro Woche mit Nachrichten im TV, Radio, in der Zeitung oder im Netz in Berührung.
  • Eine wichtige Rolle hinsichtlich der Zugangswege spielen große Medien- und Nachrichtenmarken: »35 Prozent gehen regelmäßig direkt auf die Website oder App eines Nachrichtenangebots. Zusammen mit dem Zugriff auf eine bestimmte Nachrichtenmarke über Suchmaschinen verwenden 50 Prozent regelmäßig einen gezielten Zugang zu Nachrichtenmarken.«
  • Nur rund fünf Prozent der Befragten gaben an, »in der vergangenen Woche« einen KI-Chatbot genutzt zu haben, um sich im Nachrichtenbereich zu informieren. Bei den 18-bis 24-Jährigen waren es 8 Prozent.
  • 11 Prozent der Befragten insgesamt haben nach eigener Aussage im letzten Jahr für Online-Nachrichten bezahlt oder ein kostenpflichtiges Online-Angebot genutzt. Bei den 25- bis 34-Jährigen lag dieser Anteil bei 22 Prozent (2015: 15 Prozent).

Querverweis: »Schwundstufe des Analogen«

21. April 2026

Eine auch für sich genommen sehr anregende und aufschlussreiche Rezension zu dem Buch »Digitalisierung«* von Dirk Baecker findet sich auf Soziopolis. Darin stellt Sybille Krämer zentrale theoretische Problemstellungen der rezenten sozialwissenschaftlichen Digitalisierungsforschung heraus und kann sich hierbei den ein oder anderen Seitenhieb auf den ›Bau‹ der Systemtheorie nicht verkneifen:

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Splitter: 10% des Umsatzes von Meta durch betrügerische Werbeinhalte (Reuters)

8. November 2025

Meta Platforms hat 2024 einen Jahresumsatz von 164,5 Mrd. US-Dollar generiert. Über 97 Prozent davon gründen auf dem Verkauf von Werbung auf den hauseigenen Plattformen, also Facebook, Instagram, WhatApp und Threads (siehe Form 10-K).

Einer gerade publizierten Reuters-Recherche zufolge sollen rund 10 Prozent dieser Werbeeinnahmen – oder 16 Mrd. US-Dollar – laut internen Dokumenten des Unternehmens aus Schaltungen mit betrügerischer Absicht (Scam) stammen. Meta Platforms hat die eigenen Schätzungen in einer ersten Reaktion inzwischen als »rough and overly-inclusive« bezeichnet. Aus dem Reuters-Artikel:

»Meta internally projected late last year that it would earn about 10% of its overall annual revenue – or $16 billion – from running advertising for scams and banned goods, internal company documents show. […] Much of the fraud came from marketers acting suspiciously enough to be flagged by Meta’s internal warning systems. But the company only bans advertisers if its automated systems predict the marketers are at least 95% certain to be committing fraud, the documents show. If the company is less certain – but still believes the advertiser is a likely scammer – Meta charges higher ad rates as a penalty, according to the documents. The idea is to dissuade suspect advertisers from placing ads. The documents further note that users who click on scam ads are likely to see more of them because of Meta’s ad-personalization system, which tries to deliver ads based on a user’s interests.

In a statement, Meta spokesman Andy Stone said the documents seen by Reuters ›present a selective view that distorts Meta’s approach to fraud and scams‹. The company’s internal estimate that it would earn 10.1% of its 2024 revenue from scams and other prohibited ads was ›rough and overly-inclusive‹, Stone said. The company had later determined that the true number was lower, because the estimate included ›many‹ legitimate ads as well, he said. He declined to provide an updated figure.«

Ein gute Gelegenheit, um sich an dieser Stelle eine schlecht gelaunte Diagnose von Hans Magnus Enzensberger aus dem Jahr 2013 in Erinnerung zu rufen:

»[…] die politische Macht der Reklame hat in den letzten drei bis vier Jahrzehnten in einem historisch beispiellosen Ausmaß zugenommen. Ermöglicht wurde das durch die Erfindung des Computers und durch den Aufbau des Internets. Seitdem sind neue Weltkonzerne entstanden, deren Börsenwerte die alten Monster der Schwerindustrie und des Finanzkapitals in den Schatten stellen. […] Google, Facebook, Yahoo & Co. Es ist ihr Grundprinzip, dass sie selber keinerlei Inhalte generieren. Diese Arbeit überlassen sie entweder anderen Medien oder den sogenannten Usern, die ihnen kostenlos Nachrichten oder Details aus ihrem Privatleben zuliefern. Dieses Geschäftsmodell hängt von der Finanzierung durch Reklame ab. Diese Konzerne sterben, wenn sie nicht werben.«


ARD/ZDF-Medienstudie 2025

7. Oktober 2025

Ende September ist die ARD-ZDF-Medienstudie 2025 erschienen, die aus der seit Mitte der 1960er-Jahre erhobenen Langzeitstudie Massenkommunikation und der seit 1997 erhobenen ARD/ZDF-Onlinestudie hervorgegangen ist. Sie basiert auf einer Zufallsstichprobe (70% Telefon-Stichprobe mit Dual-Frame und 30% Online-Stichprobe; N=2.512), ist repräsentativ für die deutschsprachige Wohnbevölkerung ab 14 Jahren in Deutschland und wurde wischen dem 28. Januar und 13. April 2025 erhoben. Ausführliche Artikel zur Medienstudie finden sich in den Media Perspektiven.

Einige Kernergebnisse:

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Neuerscheinung: »Technik und Gesellschaft. Eine kurze Einführung«

14. Juli 2025

In diesen Tagen ist in der Reihe Reclams Universal-Bibliothek der Band »Technik und Gesellschaft. Eine kurze Einführung« (181 Seiten, 10 Abbildungen, 9,60 €) erschienen.

Das handliche Taschenbuch bietet in neun Kapiteln einen kompakten und leicht verständlichen Einstieg in zentrale Einsichten und Grundfragen der Techniksoziologie: In welcher Weise wird das moderne gesellschaftliche Zusammenleben durch Technik geprägt? Wie greifen technische und soziale Veränderungen ineinander? Auf welchen Prämissen baut die digitale Transformation auf? Welche neuen gesellschaftlichen Möglichkeitsräume und Machtverhältnisse entstehen mit ihr? Welche Potenziale und Risiken gehen mit der Entwicklung und Anwendung künstlicher Intelligenz einher? Und: Lässt sich Technikentwicklung regulieren oder sogar steuern?

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