Splitter: Mythos Digital Natives

3. August 2017

Seit dem mittlerweile allseits bekannten Aufschlagstext (2001) von Marc Prensky hat die Unterscheidung von »Digital Natives« und »Digital Immigrants« eine erstaunliche diskursive Karriere hingelegt.

»What should we call these ›new‹ students of today? Some refer to them as the N-[for Net]-gen or D-[for digital]-gen. But the most useful designation I have found for them is Digital Natives. Our students today are all ›native speakers‹ of the digital language of computers, video games and the Internet.

So what does that make the rest of us? Those of us who were not born into the digital world but have, at some later point in our lives, become fascinated by and adopted many or most aspects of the new technology are, and always will be compared to them, Digital Immigrants.«

Ein in diesem Sommer erschienener feldüberblickender Artikel (Kirschner/Bruyckere 2017) kommt nun allerdings zu dem Schluss, dass es diesen in den Feuilletons und in den Sozialwissenschaften vielreferenzierten, technikkompetenten und zum ständigen Multitasking befähigten »Digital Native« realiter gar nicht gibt:
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Kurz notiert: »L’utopia di internet oggi è morta«

28. Juni 2017

In der italienischen Wochenzeitschrift L’Espresso ist heute der Beitrag »L’utopia di internet oggi è morta. E anche i guru della rete si sono pentiti« von Fabio Chiusi‏ erschienen. Der Text beschäftigt sich mit dem Aufstieg bzw. vor allen Dingen dem Fall der Internet-Utopien und greift in diesem Zusammenhang auch auf den Artikel »The Logic of Digital Utopianism« von Sascha Dickel und mir zurück.

Eine äußerst rudimentäre (stellenweise unbrauchbare) Google-Übersetzung von Chiusis Beitrag findet sich hier.


Kurz notiert: »The Renaissance of Techno-Utopianism«

14. April 2017

In dieser Woche ist der Text »The Renaissance of Techno-Utopianism as a Challenge for Responsible Innovation« von Sascha Dickel und mir im Journal for Responsible Innovation erschienen (kostenfreier Volltext ist für die ersten 50 Abrufenden).

Responsible research and innovation aspires to anticipate and assesses potential implications of innovations. Hence, emerging technologies are a crucial issue for this mode of foresight and governance. The case of nanotechnology demonstrated that discourses on those emerging technologies are increasingly shaped by techno-utopian narratives. We argue that these narratives are here to stay, because they are an expression of a contemporary medialization of science and technology. Since the RI community can neither ignore nor escape these techno-utopian narratives, it might engage in a hermeneutic reading of these visions as performative fiction. We use the case of desktop 3D printing to demonstrate in what way an analysis of techno-utopianism is able to reveal how responsibility for innovation gets redistributed.

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Heute ist die Zukunft von gestern XXII: »Ihr werdet es erleben« (1967)

27. Januar 2017

Es gab eine Zeit, in der ein Buch, das 1967 im englischsprachigen Original vorlag, vier Jahre später als deutschsprachiges Taschenbuch noch als ›brandneu‹ vermarktet werden konnte, »gespickt mit Daten, Kurven, Tabellen, vollgepfropft mit Fakten« (allerdings über eine 30 Jahre entfernte Zukunft). Dieses Buch – Ihr werdet es erleben. Voraussagen der Wissenschaft bis zum Jahre 2000 (Kahn/Wiener 1971) – ist mir jüngst erneut in die Hand gefallen und zeigt meines Erachtens einmal mehr, dass viele Hoffnungen und Ängste, die wir gegenwärtig an neue Technologien knüpfen, ihren Ursprung in einem Diskurs weit vor unserer Zeit finden. Einige Ausschnitte:


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Heute ist die Zukunft von gestern XXI: »The Machine Stops« (E.M. Forster)

4. Januar 2017

Zwischen den Jahren habe ich – angeregt durch eine weihnachtliche Schenkung – endlich E.M. Forsters dystopische Erzählung »The Machine Stops« aus dem Jahre 1909 gelesen [gemeinfreies PDF engl.; EPUB und Kindle engl.; Artikel von L.M. Stoltenberg mit Bezug zum Text], die 2016 in einer Neuübersetzung wiederaufgelegt worden ist – passenderweise versehen mit einem kurzen Kommentar von Jaron Lanier.

Dieses Buch ist eine eindringliche Warnung vor schierer Technikgläubigkeit, welche es auch heute noch (oder: mehr denn je) wert ist, gehört zu werden, zumal E.M. Forster unzählige technische Entwicklungen vorwegnimmt, die heute integraler Bestandteil unseres Alltags sind oder dies in naher Zukunft sein werden (darunter etwa das ›Internet der Dinge‹) – auch wenn der Mensch bzw. sein Umgang mit neuen Technologien in dieser Geschichte m.E. systematisch unterschätzt wird:
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Heute ist die Zukunft von gestern XX: »Pushbutton Power« (1978)

7. Januar 2016

Smart Home, Online-Shopping, interaktives Fernsehen, Echtzeit-Navigation, Automatisierung – über diese und andere Verheißungen einer computerisierten Zukunft berichtet (wenn auch zum Teil mit anderen Vokabeln) der Artikel »Living: Pushbutton Power« im TIME Magazine 2/1978 (via Modern Mechanix):

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Heute ist die Zukunft von gestern XV: Der Honeywell Kitchen Computer (1969)

18. Dezember 2013

Spätestens mit Tablet-PCs hat der computervermittelte Rezeptabruf Einzug in die Küchen dieser Republik gehalten. Der erste Schritt in diese Richtung erfolgte freilich bereits 1969 mit der Einführung des Honeywell Kitchen Computers (Kostenpunkt: ca. 10.000 US-Dollar; Gewicht: über 45 Kg).

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Heute ist die Zukunft von gestern XIV: Herr B. in der perfekten elektronisch gesteuerten Welt

6. Juli 2013

Herr B. lebt in den 2000ern – in der »perfekten elektronisch gesteuerten Welt, in der Mikrofone für ihn hören und Kameras für ihn sehen«. Und manchmal fühlt er sich in dieser Welt »schrecklich einsam«, »aber dann nimmt er schnell eine Tablette Optimum 10 und fühlt sich besser«. Er ist der fiktive Protagonist einer ZDF-Dokumentation aus dem Jahre 1972, die sich mit dem Alltagsleben der Zukunft beschäftigt.

Dabei nimmt sich Richtung 2000 – Vorschau auf die Welt von morgen für die heutigen Sehgewohnheiten mitunter übermäßig viel Zeit und beschreibt minutiös den Tagesablauf von Herrn B., der an elektronischen Schaltpulten Teleshopping betreibt, seinem Chef per Bildtelefon mitteilt, dass er später zur Arbeit (25-Stunden-Woche, Rente mit 50) kommen wird, via riesigem Flachbildschirm zwischen unglaublichen 15 Fernsehprogrammen umherschaltet, nach biologischen Methoden angebautes Essen zu sich nimmt und in einer Welt, in der »Umweltverschmutzung per Gesetz verboten« ist, via Hochgeschwindigkeitszug und Konservenauto zur Arbeit fährt. Herr B. arbeitet übrigens als Administrator für Computersysteme, die »für alle Entscheidungen in Politik oder Wirtschaft blitzschnell exakte Unterlagen« liefern.

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