Querverweis: »Gefällt mir? 20 Jahre Facebook«

3. Februar 2024

Deutschlandfunk Nova hat sich in der Reihe »Eine Stunde History« am 2. Februar 2024 mit der inzwischen bereits 20-jährigen Geschichte von Facebook beschäftigt.

Facebook ist die Mutter aller Sozialen Netzwerke, mit heute immer noch rund drei Milliarden Nutzenden. Im Februar 2004 begann die Erfolgsgeschichte. Wir blicken zurück auf die Anfänge von Social Media – und was daraus wurde. […] Ihr hört in »Eine Stunde History«:

  • Der Sozialwissenschaftler Jan-Felix Schrape beschreibt die Gründungsphase von Facebook.
  • Der Journalist Sascha Adamek hat das Buch »Die Facebook-Falle« geschrieben und Kritik an dem sozialen Netzwerk geübt.
  • Die Wirtschafts- und Organisationspsychologin Sarah Diefenbach geht der Frage nach, ob Soziale Netzwerke Segen oder Fluch sind.
  • Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Matthias von Hellfeld blickt zurück auf die Anfangsjahre der Karriere von Mark Zuckerberg.
  • Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Wiebke Lehnhoff beschreibt die Entstehung von Facebook Anfang der 2000er Jahre.

Zum Beitrag (Audiopodcast) »


Splitter: »Theorien des digitalen Kapitalismus«

20. November 2023

Beim Suhrkamp-Verlag ist gerade der Sammelband »Theorien des digitalen Kapitalismus« erschienen, der von Tanja Carstensen, Simon Schaupp und Sebastian Sevignanie herausgegeben wird. Der gut 500-seitige Band gliedert sich in vier Teile: Arbeit, Ökonomie, Politik und Öffentlichkeit, Kultur und Subjekte.

Darin finden sich Beiträge von Ursula Huws, Kylie Jarrett, Jamie Woodcock, Sarah T. Roberts, Florian Butollo, Andreas Boes & Tobias Kämpf, Christian Fuchs, Nick Srnicek, Emma Dowling, Thomas Barth, Kean Birch & D. T. Cochrane, Tilman Reitz, Sebastian Sevignani & Marlen van den Ecker, Stefan Schmalz, Philipp Staab, Simon Schaupp, Ulrich Dolata & Jan-Felix Schrape, Anna-Verena Nosthoff & Felix Maschewski, Marisol Sandoval, Tanja Carstensen, Helen Hester, Jodi Dean, Oliver Nachtwey, Johannes Truffer & Timo Seidl, Judy Wajcman, Felix Stalder sowie Eran Fisher.

Aus dem einleitenden Beitrag der Herausgeber:innen:

»Die Debatte um den digitalen Kapitalismus nimmt weiter Fahrt auf. Der Begriff soll Konturen gegenwärtigen Wandels kapitalistischer Gesellschaften bezeichnen, der sich ausgehend vom technologischen Wandel, konkret der Digitalisierung, bestimmen lässt.

[…] Im Überblick zeigt sich dabei dreierlei: Erstens haben wir es mit zumeist partiellen Zeitdiagnosen für einzelne gesellschaftliche Teilbereiche zu tun, deren Zusammenführung gesellschaftstheoretischer Anstrengungen bedarf. Hierfür möchten wir einen Ordnungsvorschlag anbieten, der sich an kapitalismustheoretischen Basiskategorien orientiert, die sich der Marx’schen Theorie und ihren Weiterentwicklungen entnehmen lassen. Zweitens möchten wir skizzieren, wie sich vor dem Hintergrund unseres Ordnungsvorschlages die Entwicklung verschiedener wichtiger Bereiche des digitalen Kapitalismus darstellt, namentlich Produktivkräfte, Arbeitsorganisation, Wertschöpfung, politische und kulturelle Regulation sowie seine Subjekte und Subjektivierungsweisen. Schließlich wollen wir drittens, nach Sichtung und Diskussion der versammelten Beiträge, aus unserer Sicht zentrale konzeptionelle und analytische Herausforderungen für die Theoriebildung zum digitalen Kapitalismus markieren.«


Digitale Medien und Wirklichkeit (Springer essential)

7. November 2023

In der Reihe Springer essentials ist in diesen Tagen der Band »Digitale Medien und Wirklichkeit. Eine aktuelle Einführung in den operativen Konstruktivismus« erschienen, der auf knapp 40 Seiten in die erkenntnistheoretischen Grundlagen von Niklas Luhmanns Soziologie einführt und diese auf den gegenwärtigen Medienwandel bezieht. Die Perspektive des operativen Konstruktivismus steht dabei dem Eindruck eines disruptiven Umbruchs in kurzer Frist entgegen und kann insofern als eine instruktive Ergänzung zu der Flut an kurzfristigen Zeitdiagnosen im Diskurs um die Digitalisierung gelesen werden. Das Abstract:

Dieser Band führt in Niklas Luhmanns erkenntnistheoretische Perspektive des operativen Konstruktivismus ein und diskutiert auf dieser Grundlage das Zusammenspiel von Massenmedien, Many-to-Many-Kommunikation und publizistischen Angeboten im Social Web in der gesellschaftlichen Wirklichkeitskonstruktion.

Wie bildet sich in der digitalisierten Gesellschaft, in der das Nebeneinander unterschiedlicher Sichtweisen zur Alltagserfahrung wird, eine gemeinsame Gegenwartsbeschreibung heraus? Welche Chancen und Herausforderungen bieten sich für die Integration neuartiger Standpunkte? Wie wirken Prozesse sozialer Komplexitätsreduktion und algorithmische Selektionsmechanismen ineinander?


AWA 2023: Nachrichtennutzung und Alter

12. Oktober 2023

Im Sommer ist die diesjährige Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse (AWA) erschienen, die sich auch mit dem Wandel der Mediennutzung in Deutschland auseinandersetzt. Ihre Ergebnisse sind repräsentativ für die deutschsprachige Wohnbevölkerung ab 14 Jahren; die Studie basiert auf ca. 23.000 Interviews.

Dabei zeigt sich: In der Frage, wo sich die Befragten gestern über das aktuelle Geschehen informiert haben, führt mit Blick auf die Gesamtbevölkerung – mit abnehmender Tendenz – noch immer das Fernsehen das Feld an (2023: 56 %, 2013: 63 %), gefolgt von Internet (2023: 39 %, 2013: 20%), Zeitung (2023: 31 %, 2013: 43 %) und Radio (2023: 30 %, 2013: 34 %).

In der Aufschlüsselung nach Altersgruppen zeigen sich allerdings mittlerweile sehr deutliche Unterschiede: Insbesondere die 14-29-Jährigen informieren sich tagesaktuell inzwischen vordringlich über das Internet, während in den Altersgruppen ab 45 Jahren klassische Newsmedien (TV, Tageszeitung, Hörfunk) dominieren.

Tabelle: Tagesaktuelle Informationsquellen nach Alter (Quelle: AWA 2023)

14–2930–4445–5960+
nur Internet4625102
Internet und Newsmedien34434223
nur klassische Newsmedien20324875

Splitter: »Digitalzwang im Alltag«

6. September 2023

Bereits Anfang August ist ein reporterdesk-Artikel zum Thema »Digitalzwang im Alltag« erschienen, zu dem auch ich einige Einschätzungen beisteuern durfte. Darin geht es vor allen Dingen um die nicht zu unterschätzende Gruppe der Senior:innen, die weder das Internet noch das Smartphone im Alltag regelmäßig nutzen und deshalb viele Services nur noch eingeschränkt nutzen können.

»Der Sozialwissenschaftler Jan-Felix Schrape forscht an der Universität Stuttgart zu den Schwerpunkten Innovations- und Techniksoziologie. Er sagt: ›Ganz grundsätzlich geht es Unternehmen meist darum, persönliche Beratung jetzt in automatisierter Form digital stattfinden zu lassen.‹ […] ›Ein Problem besteht darin, dass die verantwortlichen Unternehmen und deren Abteilungen, die Apps und Software entwickeln, nicht hinreichend reflektieren, dass es viele Menschen gibt, die bislang noch kaum Bezug zur digitalen Welt haben‹, sagt Schrape. Aus techniksoziologischer Sicht lasse sich ›aber immer wieder feststellen, dass es bei neuen Entwicklungen eine große Gruppe an Nachzüglern gibt‹.

[…] Für die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands ist die Digitalisierung von zentraler Bedeutung. Experten wie Rena Tangens von Digitalcourage plädieren allerdings dafür, bei allen digitalen Umwälzungen wo es geht analoge Zugänge offenzuhalten. Kurz: Es braucht die analoge Alternative. Der Soziologe sagt es so: ›Neue Technologien eröffnen neue Spielräume, gleichzeitig gehen wir damit aber auch immer neue Abhängigkeitsverhältnisse ein.‹

[…] Der Soziologe Jan-Felix Schrape beobachtet, dass ganze gesellschaftliche Gruppen während der laufenden digitalen Transformation aus dem Blick geraten sind. ›Senior:innen und randständige Milieus spielen in vielen politischen und gesellschaftlichen Fragen der Digitalisierung kaum eine Rolle.‹ Er vermutet, das liege an der vorherrschenden Wahrnehmung, Deutschland sei in Sachen Digitalisierung auf einer Nachholposition. […] dadurch fehle die Zeit ›eine Art Interessenausgleich zu diskutieren oder tatsächlich zu sehen, welche Gruppen marginalisiert sind‹.«