Wissenschafts- und Technikforschung: Eine Einführung in zentrale Konzepte und aktuelle Forschungsperspektiven

7. Juli 2026

In der von Rainer Schützeichel (†) kuratierten Reihe Sozialwissenschaftliche Einführungen ist der Band »Wissenschafts- und Technikforschung. Eine Einführung in zentrale Konzepte und aktuelle Forschungsperspektiven« erschienen (De Gruyter 2026), der von dem aktuellen Vorstand der DGS-Sektion Wissenschafts- und Technikforschung herausgegeben wird (Anne K. Krüger, Jan-Felix Schrape, Cornelius Schubert, Julia Schubert). Der Klappentext:

In den letzten zehn Jahren ist das Interesse an der Wissenschafts- und Technikforschung im deutschsprachigen Raum rasant gewachsen. Die in diesem Lehrbuch versammelten Beiträge geben sowohl Studierenden als auch Lehrenden und Forschenden kompakte Einblicke in zentrale Konzepte und aktuelle Perspektiven dieses vielschichtigen Forschungsfeldes. Das Buch unterstützt damit die Etablierung der Wissenschafts- und Technikforschung im universitären Lehrkanon sowie in der derzeitigen Forschungslandschaft. Dabei nimmt es internationale und interdisziplinäre Bezüge auf und verbindet sie mit aktueller Forschung im deutschsprachigen Raum.

Die einzelnen Beiträge decken fünf Themenbereiche im Spannungsfeld von Wissenschaft, Technik und Gesellschaft ab: die Schnittstellen zwischen Wissenschaft, Technik und Gesellschaft (1), Fragen der Hochschul- und Wissenschaftsforschung (2), Perspektiven auf Materialität und Medialität (3) sowie Digitalität (4) von Wissenschaft und Technik und schließlich Macht und Politik (5). Hierzu greifen die Beiträge auf ein breites Repertoire sozialwissenschaftlicher Konzepte, Theorien und Methoden zurück. Sie ermöglichen ein tieferes Verständnis für die sozialen Bedingungen und Folgen von Wissenschaft und Technik sowie eine kritische Auseinandersetzung damit.


Digitale Transformation: 2. Auflage

18. Mai 2026

Der Studienband »Digitale Transformation« in der Reihe Einsichten: Themen der Soziologie ist nun in zweiter Auflage erschienen (weitere Informationen bei transcript und UTB). Aus der Einleitung:

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Querverweis: »Schwundstufe des Analogen«

21. April 2026

Eine auch für sich genommen sehr anregende und aufschlussreiche Rezension zu dem Buch »Digitalisierung«* von Dirk Baecker findet sich auf Soziopolis. Darin stellt Sybille Krämer zentrale theoretische Problemstellungen der rezenten sozialwissenschaftlichen Digitalisierungsforschung heraus und kann sich hierbei den ein oder anderen Seitenhieb auf den ›Bau‹ der Systemtheorie nicht verkneifen:

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Jürgen Habermas und der digitale Strukturwandel der politischen Öffentlichkeit

14. März 2026

Jürgen Habermas († 14. März 2026) war einer der profiliertesten deutschen Philosophen und Soziologen der Gegenwart – und hat sich bis zuletzt aus einer Langfristperspektive mit dem Strukturwandel der politischen Öffentlichkeit im Horizont neuer soziotechnischer Konfigurationen auseinandergesetzt, so etwa in dem Text »Überlegungen und Hypothesen zu einem erneuten Strukturwandel der politischen Öffentlichkeit« (2021, 480, 498; open access in englisch 2022) wie folgt:

»In Europa hatte sich die bürgerliche Öffentlichkeit in ihrer literarischen und ihrer politischen Form erst allmählich aus dem Schatten älterer Formationen – vor allem der religiösen Öffentlichkeit des Kirchenregiments sowie der repräsentativen Öffentlichkeit der in Kaisern, Königen und Fürsten persönlich verkörperten Herrschaft – lösen können, nachdem die sozialstrukturellen Voraussetzungen für eine funktionale Trennung von Staat und Gesellschaft, von öffentlicher und privater wirtschaftlicher Sphäre erfüllt waren. Aus der lebensweltlichen Perspektive der Beteiligten betrachtet, steht deshalb die Zivilgesellschaft politisch aktiver Bürger von Haus aus in diesem Spannungsfeld der privaten und der öffentlichen Sphäre. Wir werden sehen, dass die Digitalisierung der öffentlichen Kommunikation die Wahrnehmung dieser Grenze zwischen privatem und öffentlichem Lebensbereich verschwimmen lässt, obgleich sich die sozialstrukturellen Voraussetzungen für diese auch rechtssystematisch folgenreiche Unterscheidung nicht verändert haben. Aus der Sicht der halb privaten, halb öffentlichen Kom-
munikationsräume, in denen sich heute die Nutzer sozialer Medien bewegen, verschwindet der inklusive Charakter einer bis dahin von der Privatsphäre erkennbar getrennten Öffentlichkeit.

[…] In den Kommunikations- und Sozialwissenschaften ist es inzwischen üblich, von disrupted public spheres zu sprechen, die sich vom Raum der journalistisch institutionalisierten Öffentlichkeit entkoppelt haben. Aber für die wissenschaftlichen Beobachter wäre es falsch, daraus die Konsequenz zu ziehen, die Beschreibung dieser symptomatischen Erscheinungen von demokratietheoretischen Fragen überhaupt abzutrennen.Denn die Kommunikation in verselbständigten Halböffentlichkeiten ist ja selbst keineswegs entpolitisiert; und selbst wo das zutrifft, ist die prägende Kraft, die diese Kommunikation für die Weltsicht der Beteiligten hat, nicht unpolitisch. Ein demokratisches System nimmt im ganzen Schaden, wenn die Infrastruktur der Öffentlichkeit die Aufmerksamkeit der Bürger nicht mehr auf die relevanten und entscheidungsbedürftigen Themen lenken und die Ausbildung konkurrierender öffentlicher, und das heißt: qualitativ gefilterter Meinungen, nicht mehr gewährleisten kann.«


Wiedervorlage: Zur Soziologie des Schenkens

17. Dezember 2025

Axel T. Paul hat 1997 in der Soziologischen Revue eine auch heute noch höchst lesenswerte Sammelrezensionen zu fünf Büchern verfasst, die sich in der ein oder anderen Weise mit den Phänomenen der Gabe und des Schenkens beschäftigen.

Quelle: Wikimedia

Einige Passagen daraus:

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Querverweis: My syllabus on Artificial Social Intelligence (Silver Linings)

25. November 2025

Daniel Silver, Soziologieprofessor an der University of Toronto Scarborough, hat den Syllabus zu seinem vielversprechenden Graduiertenseminar »Beyond the Singularity: Building Artificial Social Intelligence« auf Substack geteilt. Für die einzelnen Sitzungen hat er ein breites Portfolio von Lesestücken an der Schnittstelle von Soziologie, Kognitionswissenschaft, Informatik und Digitalisierungsforschung zusammengestellt, die sich dort auch gebündelt abrufen lassen. Darum geht es:

The ambition driving much artificial intelligence is to build a god: a singular, all-knowing super-intelligence. This seminar begins from the proposition that this goal is not only misguided but also ignores a fundamental proposition of classical sociology: intelligence is social. We will advance the proposition that true superintelligence (often referred to as ASI), should it ever exist, will not be a monolithic entity, but a fundamentally social and distributed system.

We will seek to dislodge the prevailing image of Artificial General Intelligence (AGI) – a gigantic individual mind – for a richer and more generative concept: Artificial Social Intelligence (ASI). We will explore the idea that the future of AI lies in networks of intelligent agents that must learn to creatively and situationally understand, coordinate, and sometimes compete with each other and with us.

While computer science often approaches this topic through Multi-Agent Systems (MAS), our focus is distinct and complementary; we will use classical sociology as a launching point to reimagine AI, focusing on the underlying capabilities and orientations that make multi-agent interaction possible and more or less effective.


42. DGS-Kongress: Technik, Medien, digitale Transformation, KI

8. September 2025

Der 42. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS) steht vor der Tür (22.–26. September, Duisburg). Grund genug, um das Programm nach technik-, innovations- und mediensoziologisch ausgerichteten Panels und Beiträgen zu durchforsten (ohne Anspruch auf Vollständigkeit). Dabei zeigt sich, dass sich die gegenwärtige deutschsprachige Soziologie mit einem überaus weiten Spektrum an soziotechnischen Transitionsdynamiken beschäftigt – und das wechselvolle Spannungsverhältnis von Technik und sozialem Wandel, das auf übergreifender Ebene erstmals auf dem Soziologentag 1986 thematisiert worden ist (Lutz 1987), inzwischen zu einem Kerngegenstand gesellschaftswissenschaftlicher Forschung avanciert ist:

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