Digitale Methoden: Social-Media-Plattformen

12. Oktober 2026

Die vierte Auflage des Handbuchs Methoden der empirischen Sozialforschung (herausgegeben von Nina Baur und Jörg Blasius) ist gerade erschienen – und mit ihm der Beitrag von Jasmin Siri und mir zur sozialwissenschaftlichen Beforschung und Analyse von Social-Media-Plattformen:

»Das Social Web bietet den empirischen Sozialwissenschaften einen gewaltigen Pool an mehr oder minder unkompliziert verfügbaren Daten und Inhalten. Schon aus dieser schieren Disponibilität ergeben sich eine Vielzahl an Herausforderungen – von der Problematik der Datenauswahl über Fragen der Reliabilität bis hin zu Problemen der Repräsentativität und Generalisierbarkeit sowie der Zeitstabilität der Medien selbst. Darüber hinaus resultieren aus der Multiplizität technisch vermittelter Öffentlichkeiten, den vielfältigen Mischformen zwischen privater und öffentlicher Kommunikation im Social Web […], den je nach Plattform divergenten Medienlogiken und der nutzungspraktischen Verschränkung unterschiedlicher Medien- und Kommunikationskanäle eine Vielzahl weiterer Herausforderungen und Problemstellungen in der sozialwissenschaftlichen Datenanalyse, die gerade erst Objekt methodologischer Diskussionen werden. Insbesondere die onlinezentrierte Sozialforschung […] sollte sich dementsprechend bewusst darüber sein, dass ihre Forschungsresultate selbst im Fall einer kundigen methodenpluralen Vorgehensweise […] nicht mehr als eine […] Annäherung an empirische Tatbestände bleiben.«

Der Beitrag diskutiert Anwendungsgebiete der Social-Media-Forschung, Datenquellen, Fragen der Feldbabgrenzung, des Samplings und der Auswertung, methodologische Problemstellungen sowie Möglichkeiten und Grenzen des Einsatzes künstlicher Intelligenz.


Splitter: Handbook of Innovation

17. August 2026

Bei Springer Nature ist jüngst das »Handbook of Innovation. Perspectives from the Social Sciences« (hg. von Ingo Schulz-Schaeffer, Arnold Windeler und Birgit Blättel-Mink) erschienen. Der Klappentext:

This handbook provides a comprehensive overview of innovation research, focusing on perspectives from the social sciences. Its scope extends beyond the traditional association of innovation with economic change and development, addressing its impact across multiple spheres of society. […] The content is organized around the history, concepts, and themes of innovation research, covering both classical theories and recent developments. The handbook highlights key empirical findings and explores various dimensions of innovation. Topics include coordination mechanisms (via markets, organizations, or trust); the role of innovation in different spheres of society (such as the economy, law, science, and the arts); and selected fields of innovation (including sustainability, nutrition, and energy provision). It also examines the transformative role of digitalization, including phenomena such as social media, digital platforms, and crowdsourcing. In addition, it covers innovation policy, regulatory frameworks, and methodological approaches to studying innovation. […]


Wissenschafts- und Technikforschung: Eine Einführung in zentrale Konzepte und aktuelle Forschungsperspektiven

7. Juli 2026

In der von Rainer Schützeichel (†) kuratierten Reihe Sozialwissenschaftliche Einführungen ist der Band »Wissenschafts- und Technikforschung. Eine Einführung in zentrale Konzepte und aktuelle Forschungsperspektiven« erschienen (De Gruyter 2026), der von dem aktuellen Vorstand der DGS-Sektion Wissenschafts- und Technikforschung herausgegeben wird (Anne K. Krüger, Jan-Felix Schrape, Cornelius Schubert, Julia Schubert). Der Klappentext:

In den letzten zehn Jahren ist das Interesse an der Wissenschafts- und Technikforschung im deutschsprachigen Raum rasant gewachsen. Die in diesem Lehrbuch versammelten Beiträge geben sowohl Studierenden als auch Lehrenden und Forschenden kompakte Einblicke in zentrale Konzepte und aktuelle Perspektiven dieses vielschichtigen Forschungsfeldes. Das Buch unterstützt damit die Etablierung der Wissenschafts- und Technikforschung im universitären Lehrkanon sowie in der derzeitigen Forschungslandschaft. Dabei nimmt es internationale und interdisziplinäre Bezüge auf und verbindet sie mit aktueller Forschung im deutschsprachigen Raum.

Die einzelnen Beiträge decken fünf Themenbereiche im Spannungsfeld von Wissenschaft, Technik und Gesellschaft ab: die Schnittstellen zwischen Wissenschaft, Technik und Gesellschaft (1), Fragen der Hochschul- und Wissenschaftsforschung (2), Perspektiven auf Materialität und Medialität (3) sowie Digitalität (4) von Wissenschaft und Technik und schließlich Macht und Politik (5). Hierzu greifen die Beiträge auf ein breites Repertoire sozialwissenschaftlicher Konzepte, Theorien und Methoden zurück. Sie ermöglichen ein tieferes Verständnis für die sozialen Bedingungen und Folgen von Wissenschaft und Technik sowie eine kritische Auseinandersetzung damit.


Digitale Transformation: 2. Auflage

18. Mai 2026

Der Studienband »Digitale Transformation« in der Reihe Einsichten: Themen der Soziologie ist nun in zweiter Auflage erschienen (weitere Informationen bei transcript und UTB). Aus der Einleitung:

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Querverweis: »Schwundstufe des Analogen«

21. April 2026

Eine auch für sich genommen sehr anregende und aufschlussreiche Rezension zu dem Buch »Digitalisierung«* von Dirk Baecker findet sich auf Soziopolis. Darin stellt Sybille Krämer zentrale theoretische Problemstellungen der rezenten sozialwissenschaftlichen Digitalisierungsforschung heraus und kann sich hierbei den ein oder anderen Seitenhieb auf den ›Bau‹ der Systemtheorie nicht verkneifen:

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Jürgen Habermas und der digitale Strukturwandel der politischen Öffentlichkeit

14. März 2026

Jürgen Habermas († 14. März 2026) war einer der profiliertesten deutschen Philosophen und Soziologen der Gegenwart – und hat sich bis zuletzt aus einer Langfristperspektive mit dem Strukturwandel der politischen Öffentlichkeit im Horizont neuer soziotechnischer Konfigurationen auseinandergesetzt, so etwa in dem Text »Überlegungen und Hypothesen zu einem erneuten Strukturwandel der politischen Öffentlichkeit« (2021, 480, 498; open access in englisch 2022) wie folgt:

»In Europa hatte sich die bürgerliche Öffentlichkeit in ihrer literarischen und ihrer politischen Form erst allmählich aus dem Schatten älterer Formationen – vor allem der religiösen Öffentlichkeit des Kirchenregiments sowie der repräsentativen Öffentlichkeit der in Kaisern, Königen und Fürsten persönlich verkörperten Herrschaft – lösen können, nachdem die sozialstrukturellen Voraussetzungen für eine funktionale Trennung von Staat und Gesellschaft, von öffentlicher und privater wirtschaftlicher Sphäre erfüllt waren. Aus der lebensweltlichen Perspektive der Beteiligten betrachtet, steht deshalb die Zivilgesellschaft politisch aktiver Bürger von Haus aus in diesem Spannungsfeld der privaten und der öffentlichen Sphäre. Wir werden sehen, dass die Digitalisierung der öffentlichen Kommunikation die Wahrnehmung dieser Grenze zwischen privatem und öffentlichem Lebensbereich verschwimmen lässt, obgleich sich die sozialstrukturellen Voraussetzungen für diese auch rechtssystematisch folgenreiche Unterscheidung nicht verändert haben. Aus der Sicht der halb privaten, halb öffentlichen Kom-
munikationsräume, in denen sich heute die Nutzer sozialer Medien bewegen, verschwindet der inklusive Charakter einer bis dahin von der Privatsphäre erkennbar getrennten Öffentlichkeit.

[…] In den Kommunikations- und Sozialwissenschaften ist es inzwischen üblich, von disrupted public spheres zu sprechen, die sich vom Raum der journalistisch institutionalisierten Öffentlichkeit entkoppelt haben. Aber für die wissenschaftlichen Beobachter wäre es falsch, daraus die Konsequenz zu ziehen, die Beschreibung dieser symptomatischen Erscheinungen von demokratietheoretischen Fragen überhaupt abzutrennen.Denn die Kommunikation in verselbständigten Halböffentlichkeiten ist ja selbst keineswegs entpolitisiert; und selbst wo das zutrifft, ist die prägende Kraft, die diese Kommunikation für die Weltsicht der Beteiligten hat, nicht unpolitisch. Ein demokratisches System nimmt im ganzen Schaden, wenn die Infrastruktur der Öffentlichkeit die Aufmerksamkeit der Bürger nicht mehr auf die relevanten und entscheidungsbedürftigen Themen lenken und die Ausbildung konkurrierender öffentlicher, und das heißt: qualitativ gefilterter Meinungen, nicht mehr gewährleisten kann.«


Wiedervorlage: Zur Soziologie des Schenkens

17. Dezember 2025

Axel T. Paul hat 1997 in der Soziologischen Revue eine auch heute noch höchst lesenswerte Sammelrezensionen zu fünf Büchern verfasst, die sich in der ein oder anderen Weise mit den Phänomenen der Gabe und des Schenkens beschäftigen.

Quelle: Wikimedia

Einige Passagen daraus:

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