Über Sichtbarkeit in der Plattformöffentlichkeit

20. März 2019

Auf Soziopolis ist ein kompaktes Essay zum Thema »Sichtbarkeit in der Plattformöffentlichkeit« erschienen:

Intermediäre Plattformstrukturen sind im Medienbereich kein exklusives Phänomen der Gegenwart. Mit der Verbreitung der Telegrafie entstanden im 19. Jahrhundert die ersten Nachrichtenagenturen, die Meldungen sammeln, verarbeiten und an Einzelmedien vermitteln; zur selben Zeit gründeten sich im Buchhandel die ersten Barsortimente als logistische Verbindungsglieder zwischen Verlagen und Detailhändlern; in nicht wenigen Belangen lassen sich auch Zeitungen als vermittelnde Plattformen zwischen Journalisten, Agenturen, Werbekunden, Vertriebsdienstleistern und Lesern beschreiben.

Erst mit der Etablierung des Internets und alltagstauglicher (mobiler) Endgeräte allerdings sehen sich Rezipienten in der Lage, unabhängig von Ort und Zeit auf die jeweilige Plattform zuzugreifen und die dort angebotenen Inhalte mit algorithmischen Hilfsmitteln selbsttätig zu selegieren – ebenso wie sich heute prinzipiell alle entsprechenden Nutzungsdynamiken sammeln und auswerten lassen. Dadurch tritt zum einen die Plattform als Koordinationsmuster in den Vordergrund gesellschaftlicher Wahrnehmung. Zum anderen gehen mit dieser Plattformisierung einschneidende Verschiebungen in den medienökonomischen Akteurskonstellationen wie auch in den Bedingungen für die zivilgesellschaftliche Herstellung öffentlicher Sichtbarkeit einher, die im Fokus dieses Textes stehen.

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The Promise of Technological Decentralization

24. Januar 2019

In Society ist der kompakte Artikel »The Promise of Technological Decentralization. A Brief Reconstruction« erschienen, der sich mit der Entstehungsgeschichte der Vorstellung einer Dezentralisierung sozioökonomischer Koordinationsweisen durch technische Strukturen beschäftigt – von der Do-it-yourself-Szene der späten 1960er-Jahre über die Counter-Computer-Kultur der 1970er- und 1980er-Jahre, die Debatten um das Web (2.0) in den 1990er- bzw. 2000er-Jahren bis hin zu gegenwärtigen Ideen dezentralisierter und distribuierter Wirtschaftsweisen.


Querverweis: »Ressentiments«

6. Januar 2019

Auf Soziopolis lässt sich seit einigen Wochen ein Text von Cornelia Koppetsch abrufen, der sich – u.a. ausgehend von Büchern von Francis Fukuyama sowie Mark Lilla – in lesenswerter Weise mit dem Thema Ressentiments auseinandersetzt:

»[…] Ressentiments erwachsen also aus der Diskrepanz zwischen gefühlten Anrechten und faktischen Positionen. Das ist auch der Grund, warum sie mit höherer Wahrscheinlichkeit in gesellschaftlichen Umbruchphasen auftreten, in denen das Schichtungsgefüge und damit auch das System von Anrechten und Privilegien durcheinander gewirbelt werden […]. Die Betroffenen gewinnen den Eindruck, dass bislang für selbstverständlich gehaltene Gerechtigkeitsnormen außer Kraft gesetzt werden und drohen, nicht nur das Spiel zu verlassen, sondern im Extremfall auch noch den Spieltisch umzuschmeißen.

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Algorithmische Arbeitskoordination in der plattformbasierten Gig Economy

8. Oktober 2018

In den aktuellen Arbeits- und Industriesoziologischen Studien ist just der Beitrag »Algorithmische Arbeitskoordination in der plattformbasierten Gig Economy« von Jasmin Schreyer und mir erschienen, der im Kontext unseres Projekts zu digitalen Projektgemeinschaften entstanden ist. Aus dem Editorial:

Jasmin Schreyer und Jan-Felix Schrape (Universität Stuttgart) analysieren die algorithmische Arbeitskoordination im Kontext der Steuerung ortsgebundener Erwerbsarbeit über Crowdworking-Plattformen am Beispiel des Unternehmens Foodora. Als Grundlage hierfür arbeiten die AutorInnen zunächst allgemein die Organisationsprinzipien und Funktionsweisen von Online-Plattform-Unternehmen heraus. Die Vereinfachung von Arbeitsprozessen und Kommunikation, die Partizipation der Community und die Kontrolle durch Technik erweisen sich als Kernelemente der Arbeitsregulierung auf Plattformen. Die Analyse des Falles Foodora kommt zu dem Ergebnis, dass Vereinfachung und Kontrolle hier tatsächlich zentral sind, während Partizipation eher deklamatorischen Charakter hat.

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Splitter: Open-source projects as incubators of innovation

20. Oktober 2017

In diesen Tagen ist mein Artikel »Open-source projects as incubators of innovation: From niche phenomenon to integral part of the industry« in Convergence erschienen:

Over the last 20 years, open-source development has become an integral part of the software industry. Against this backdrop, this article seeks to develop a systematic overview of open-source communities and their socio-economic contexts. I begin with a reconstruction of the genesis of open-source software projects and their changing relationships to established information technology companies. This is followed by the identification of four ideal-type variants of current open-source projects that differ significantly in their modes of coordination and the degree of corporate involvement. Further, I examine why open-source projects lost their subversive connotations while, in contrast to former cases of collective invention, remaining viable beyond the initial phase of innovation.


Forschungsverbund »Digitalisierung, Mitbestimmung, gute Arbeit«

4. September 2017

Im Herbst 2017 nimmt der Forschungsverbund »Digitalisierung, Mitbestimmung, gute Arbeit« der Hans-Böckler-Stiftung seine Arbeit auf. Insgesamt beschäftigen sich 15 Projektvorhaben mit den Auswirkungen digitaler Technologien auf die Arbeitswelt, darunter auch das Stuttgarter Projekt »Digitale Projektgemeinschaften als Innovationsinkubatoren«.

»Der Prozess der Digitalisierung hat grundlegende Auswirkungen auf alle Bereiche der Gesellschaft. Digitale Technologen entstehen jedoch nicht von selbst. Ihre Entwicklung wird vielmehr von Unternehmen, Organisationen und einzelnen Menschen mit ihren je eigenen Interessen und Zielvorstellungen gestaltet. Für ein tieferes Verständnisses dieses Prozesses kommt es darauf an, die Akteurs- und Machtkonstellationen in den Blick zu nehmen, die ihn vorantreiben. Der Forschungsverbund ›Digitalisierung, Mitbestimmung, gute Arbeit‹ widmet sich vor diesem Hintergrund der Frage, wie sich der Prozess der Digitalisierung im Sinne von Mitbestimmung und guter Arbeit gestalten lässt.«

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Kurz notiert: »New Modes of Shaping Social Change?«

1. August 2017

Ende Juli ist der von Bielefelder Kolleginnen und Kollegen herausgegebene Band »Society, Regulation and Governance New Modes of Shaping Social Change?« bei Edward Elgar Publishing erschienen. Darin finden sich Beiträge von A.-L. Beaussier, A. Bora, E. Carmel, M. Huber, D. Kuchenbuch, M. Mölders, P. Münte, R. Paul, H. Rothstein, J.-F. Schrape und L. Viellechner.

This book brings together sociologists, political scientists, legal scholars and historians to produce an interdisciplinary critical evaluation of alleged ›new modes‹ of social change, specifically: risk, publics and participation. It makes three key contributions by:

  • offering a consolidation and re-appraisal of a debate that has become increasingly vague with its academic and political proliferation
  • identifying a uniting conceptual-analytical core between regulation and governance which explains the adaptability and innovation-mindedness of processes of ›shaping society‹
  • re-focusing on the ›essence‹ of regulation and governance approaches – intentional modes of social change.

Reinlesen lässt sich in den gelungenen Band auf ElgarOnline; mein Kapitel findet sich in einer frühen Version als Discussion Paper auf EconStor.


Splitter: »Information Operations and Facebook«

2. Mai 2017

Ende April hat Facebook den Bericht »Information Operations and Facebook« veröffentlicht (Autoren: Jen Weedon, William Nuland, Alex Stamos). Darin diskutiert das Unternehmen zurückliegende ›Informationsfeldzüge‹ (etwa im US-Wahlkampf) und inwiefern neuartige Analysetechnologien diesbezüglich Abhilfe schaffen könn(t)en:

»Civic engagement today takes place in a rapidly evolving information ecosystem. More and more, traditional forums for discussion, the exchange of ideas, and debate are mirrored online on platforms like Facebook – leading to an increase in individual access and agency in political dialogue, the scale and speed of information consumption, as well as the diversity of influences on any given conversation. […] The overuse and misuse of the term ›fake news‹ can be problematic because, without common definitions, we cannot understand or fully address these issues. […] We’ve adopted the following terminology to refer to these concepts:
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