Kurze Geschichte des Urlaubs

2. August 2013

Sommerzeit, Urlaubszeit — doch das war keineswegs immer schon so, wie ein kurzer Blick in die Geschichtsbücher zeigt: Das Wort urloup gab es zwar auch schon im Mittelalter bzw. in der frühen Neuzeit, bezeichnete damals allerdings noch ganz allgemein eine ›Erlaubnis‹ – z.B. die Erlaubnis, sich aufgrund dringender Geschäfte von Hof oder Truppe entfernen zu dürfen. Urlaub im heutigen Sinne hingegen war bis hinein ins 20. Jahrhundert alles andere als ein Alltagsphänomen.

Eine zunehmende Lust am Reisen entwickelten die Schichten, die es sich leisten konnten (also vornehmlich der Adel), allerdings bereits im 18. Jahrhundert – entweder, um sich zu bilden oder um sich gesundheitlich zu stärken. Besonders beliebt waren vor allen Dingen bei der britischen adligen Jugend Bildungsreisen, um die Kultur des europäischen Festlandes zu erkunden (z.B. nach Paris oder Rom). Ein prototypischer Bildungsreisender war Johann Wolfgang von Goethe, der zwischen September 1786 und Mai 1788 eine äußerst ausgedehnte Reise durch Italien unternahm.

urlaub

Ausgefallenere Vergnügungsreisen (wie auch Kuraufenthalte) etablierten sich unter den oberen Zehntausend im 19. Jahrhundert: Norditalien oder die deutschen Wälder befriedigten den Drang nach Ungewöhnlichem immer weniger; stattdessen kamen spätestens zur Jahrhundertwende weitreichende Zugreisen und Schiffsfahrten in Mode (vgl. Agatha Christies Bücher »Mord im Orientexpress« oder »Tod auf dem Nil«). Auch wohlhabendere Bürger gönnten sich zu dieser Zeit bereits ein bis zwei Wochen Sommerfrische auf dem Lande oder zur See.

Maxima Musterfrau und Otto Normalverbraucher hingegen konnten sich erst nach dem zweiten Weltkrieg einen längeren Erholungsurlaub leisten: Zwar entstanden in Deutschland bereits Mitte des 19. Jh. die ersten Gewerkschaften, die Urlaubsfrage stand gegenüber der Lohnfrage allerdings zunächst im Hintergrund und auch die Sonntagsruhe wurde erst 1895 gesetzlich festgehalten. Erste dezidierte Regelungen zu bezahltem Urlaub tauchten in den Tarifverträgen ab 1903 auf, aber auch noch um 1930 ging es dabei weniger um Wochen, sondern eher um einige wenige Tage.

In den 1950er Jahren wurde sowohl in der BRD wie auch in der DDR ein Anspruch auf zwei Wochen Urlaub pro Jahr festgeschrieben und 1963 verabschiedete die Bundesrepublik das Bundesurlaubsgesetz, das jedem Arbeitnehmer drei freie Wochen im Jahr garantierte. Zusammen mit dem allgemeinen Wirtschaftsaufschwung in dieser Zeit führte das hierzulande zur Ausbildung des Massentourismus, wobei insbesondere die Campingplätze Italiens ein beliebtes Reiseziel boten. Allerdings besaßen 1955 laut einer Studie 79 Prozent der Deutschen noch immer keinen Reisepass — was sich in den darauffolgenden Jahren allerdings rasch ändern sollte.

Entsprechend schossen kostengünstige Touristikunternehmen aus dem Boden: Touropa z.B. wurde 1951 gegründet, bot zunächst Reisen nach Italien, die Schweiz und Österreich sowie einige Jahre später auch nach Jugoslawien und Mallorca an und gehörte 1968 zu den Gründungsunternehmen von Touristik Union International, einem Vorläufer der heutigen TUI AG. 1962 folgte die Gründung von Quelle-Reisen und 1964 stieg Neckermann in den Reisemarkt ein. Bis Ende der 1980er Jahre ließ sich hernach eine beständige Steigerung der Reisetätigkeit der Deutschen feststellen und 2011 erreichten die Umsätze der deutschen Reiseveranstalter ein neues Rekordniveau. Die beliebtesten ausländischen Reiseziele deutscher Touristen waren 2012 Spanien, Österreich, Italien, die Türkei, Frankreich sowie die USA. Aber auch heute noch bleibt das Inland das mit Abstand beliebteste Urlaubsziel der Bundesbürger.

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