27. April 2020
Jutta Allmendinger legt der Politik nahe, ihre Entscheidungen nicht nur auf virologische Expertise zu gründen, sondern auch sozialwissenschaftliche Bewertungen einzubeziehen (23.4.2020, hr_info). Jenseits bereits unmittelbar beobachtbarer Rückwirkungen (z.B. auf den Arbeitsmarkt; vgl. eine Studie der Hans Böckler Stiftung) steht die Soziologie dabei allerdings vor dem Problem, dass sich die gesellschaftlichen Folgen und Konsequenzen der Krise heute noch gar nicht absehen lassen, da diese erst das Resultat vielschichtiger interagierender politischer, sozialer bzw. ökonomischer Entwicklungsprozesse auf regionaler und globaler Ebene im Verbund mit weiteren nicht vorhersagbaren Dynamiken sein werden.
Dass die Zukunft grundsätzlich ungewiss bleibt und gegenwärtige Entscheidungen stets unter den Bedingungen dieser Ungewissheit getroffen werden (müssen), ist dabei ein gesellschaftswissenschaftlicher Gemeinplatz. Die gefühlte Intransparenz und Unplanbarkeit des Künftigen erreicht in der individuellen Lebensführung wie auch in der sozialwissenschaftlichen Beobachtung derzeit nichtsdestominder ein neues Plateau – und so bleiben soziologischen Kommentatorinnen und Kommentatoren letztlich einzig die Modi des Hoffens und der Befürchtens bzw. Aussagen des Vielleichts und des Ungefähren. Das zeigt sich auch in den hier dokumentierten Stimmen der Woche:
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28. März 2020
Soziopolis ist nun in die Dokumentation soziologischer Stimmen zur Corona-Krise eingestiegen (u.a. auch auf Grundlage der Sammlung hier). In dieser Übersicht noch nicht reflektiert werden die Eingaben von Hartmut Rosa, der die aktuelle Krise vor allen Dingen auch als Chance zur Entschleunigung und zum Innehalten beschreibt (»Plötzlich guckt man intensiv aus dem Fenster und sieht die ersten Blüten […]«, tagesspiegel) – in Gesprächen aber langsam feststellen muss, dass dies allenfalls für die privilegierten Teile der Bevölkerung mit eigenem Garten und stabilem Einkommen gilt (taz, swr2, sz). Mit Sicherheit werden seine Äußerungen in der nächsten Folge der Soziopolis-Reihe aufgegriffen werden.
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20. März 2020
Mit jedem weiteren Tag zeichnet sich immer deutlicher ab: Die Corana-Krise wird das gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische bzw. öffentliche und private Leben nicht nur für einige Wochen, sondern für viele Monate und Jahre prägen – und es gehört nicht viel dazu, um vorherzusagen: Das ist ein Einschnitt, an den wir unser ganzes weiteres Leben immer wieder zurückdenken werden. Ich möchte an dieser Stelle wie schon im letzten Post einfach, unkommentiert und naturgemäß selektiv einige Stimmen dazu aus der Soziologie dokumentieren, die in dieser Zeit auch eine seismographische Funktion erfüllt (bzw. einnehmen sollte):
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11. Oktober 2019
In dieser Woche ist die aktuelle ARD/ZDF-Onlinestudie erschienen, die bereits seit 1997 erhoben wird und insofern einen guten Überblick zu den langfristigen Verschiebungen im medialen Nutzungsverhalten bietet. Einige Kernergebnisse:
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7. Oktober 2019
Im Frühherbst ist Sascha Dickels Extended Essay »Prototyping Society. Zur vorauseilenden Technologisierung der Zukunft« als Open-Access-Buch (PDF) beim transcript-Verlag erschienen. Das aufschlagende Einführungskapitel schließt wie folgt:
»Vergesellschaftung heißt hier nicht: demokratische Verhandlung von Technik, sondern: eine Ausweitung des sozialen Kreises derjenigen, die ›Input‹ zum Design von Technik geben. Technologisierung der Gesellschaft heißt hier nicht: Überformung der Gesellschaft mit einer bereits erschlossenen technologischen Wahrheit, sondern ein vorläufiges Explorieren dessen, was sich am Sozialen in welcher Weise technologisieren lässt. Genau die Kopplung beider Gesichtspunkte ist das, was am Ende des Essays als doppelte Expansion des Prototyping bestimmt wird: eine soziale Expansion des Prototypisierens einerseits und eine expansive Prototypisierung des Sozialen andererseits.
[…] Am Ende des Essays stellt sich daher die Frage, wie dem Dispositiv des Prototyping soziologisch begegnet werden kann. Die Antwort: durch eine reflexive Teilnahme an alternativen Entwürfen, nicht durch eine kulturkritische Flucht aus der Technik.«
8. September 2019
Seit 2017 erheben die ARD/ZDF-Massenkommunikation Trends jährlich Referenzdaten zur Mediennutzung (als Ergänzung zur nach wie vor alle 5 Jahre erscheinenden ARD/ZDF-Massenkommunikation Langzeitstudie). Einige Kernergebnisse (n=2000) für dieses Jahr (vgl. MediaPerspektiven 7-8/2019):
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25. August 2019
Im Sommer ist die diesjährige Ausgabe der seit 1959 durchgeführten Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse (AWA) zu den Konsum- und Mediengewohnheiten der deutschen Bevölkerung (23.318 Befragte; Herbst 2018 / Frühjahr 2019; Grundgesamtheit: deutschspr. Bevölkerung ab 14 J.) erschienen. Ausgewählte Ergebnisse:
Rezeption tagesaktueller Nachrichten
- Ein wachsender Anteil der jüngeren Altersgruppen informiert sich nicht (mehr) regelmäßig über das aktuelle Nachrichtengeschehen: Lediglich 45 Prozent der 14- bis 19-Jährigen und 67 Prozent der 20- bis 29-Jährigen gaben an, sich gestern über das aktuelle Geschehen informiert zu haben. In den Altersgruppen ab 40 waren es hingegen 80 bis 90 Prozent.
- In der Langfristbetrachtung zeigt sich, dass das Interesse an tagesaktuellen Nachrichten zumindest zum Teil auch an die jeweilige Lebensphase gekoppelt zu sein scheint: 2004 gaben 55 Prozent der 14-19-Jährigen an, sich über das aktuelle Geschehen täglich zu informieren. Diese Befragten fielen heute in die Altersgruppe der 30- bis 34-Jährigen, die Ende 2018/Anfang 2019 zu 75 Prozent angaben, am Tag zuvor tagesaktuelle Nachrichten abgerufen zu haben.
- Im »Glaubwürdigkeitsranking« liegen das öffentliche TV und Radio (70 bzw. 64 Prozent), Lokalzeitungen und überregionale Zeitungen (64 bzw. 61 Prozent) sowie Wochenmagazine und -zeitungen weit vor Onlineangeboten von klassischen Medienanbietern wie z.B. Spiegel Online (20 Prozent), Privatfernsehen (15 Prozent), Angeboten von Online-Diensten (8 Prozent) sowie Blogs, Foren und Social-Networking-Diensten (8 bzw. 7 Prozent).
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