6. Juli 2017
Aus: Dolata, Ulrich / Schrape, Jan-Felix (2018): Kollektivität und Macht im Internet. Wiesbaden: Springer VS (S. 24–30).
Vieles, was Bewegungen und Gemeinschaften auszeichnet, hat sich mittlerweile [in den Online-Bereich] verschoben: kollektive Meinungsbildung und Abstimmung, politische Kampagnen und Mobilisierung, Organisierung und Koordination der Aktivitäten, fachlicher Austausch und gemeinschaftliche Produktion.
Die genannten sozialen Merkmale der Institutionalisierung kollektiver Akteure werden dadurch zwar nicht außer Kraft gesetzt. Sie werden allerdings substanziell erweitert um neue Organisierungs- und Strukturierungsleistungen von Kommunikation, Produktion und Protest, die das Internet und seine Plattformen als technologische Infrastrukturen bieten.
Dementsprechend lässt sich die Institutionalisierung des Kollektiven heute nicht mehr als rein sozialer, sondern nur noch als soziotechnischer Prozess auf angemessene Weise abbilden: als systematische Verschränkung von sozialen und technischen Organisierungs- und Strukturierungsleistungen, deren Zusammenspiel allerdings von Fall zu Fall erheblich variiert […].
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17. Juni 2017
Anfang Juli erscheint das von mir und Ulrich Dolata zusammengestellte Buch »Kollektivität und Macht im Internet: Soziale Bewegungen – Open Source Communities – Internetkonzerne« (Amazon, 19,90 Euro). Das Einführungskapitel lässt sich schon jetzt als Leseprobe bei Springer VS herunterladen.

Das Buch geht den Fragen nach, wie sich die vielfältigen neuartigen Formen von Kollektivität in der Internetgesellschaft voneinander unterscheiden und typisieren lassen und welche Rolle die technischen Infrastrukturen des Netzes für deren Entstehung bzw. Verstetigung spielen. Es wird diskutiert, auf welche Weise sich die Mobilisierung und Organisierung sozialer Bewegungen durch Social Media verändert, wie Arbeits- und Entscheidungsprozesse in Open-Source-Communities strukturiert sind und über welche ökonomische und regelsetzende Macht die großen Internetkonzerne als wesentliche Gatekeeper und Kuratoren der Kommunikation im Netz heute verfügen.
14. Mai 2017
In der Reihe Stuttgarter Beiträge zur Organisations- und Innovationssoziologie ist ein neues Discussion Paper mit dem Titel »Open Source Projects as Incubators of Innovation. From Niche Phenomenon to Integral Part of the Software Industry« (Volltext) erschienen:
Over the last 20 years, open source development has become an integral part of the software industry and a key component of the innovation strategies of all major IT providers. Against this backdrop, this paper seeks to develop a systematic overview of open source communities and their socio-economic contexts. […] Further, I examine why open source projects have mainly lost their subversive potential while, in contrast to former cases of collective invention, remaining viable beyond the emergence of predominant solutions and their commercial exploitation: In an industry that is characterized by very short innovation cycles, open source projects have proven to be important incubators for new product lines and branch-defining infrastructures. They do not compete against classical forms of production but instead complement and expand these.
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2. Mai 2017
Ende April hat Facebook den Bericht »Information Operations and Facebook« veröffentlicht (Autoren: Jen Weedon, William Nuland, Alex Stamos). Darin diskutiert das Unternehmen zurückliegende ›Informationsfeldzüge‹ (etwa im US-Wahlkampf) und inwiefern neuartige Analysetechnologien diesbezüglich Abhilfe schaffen könn(t)en:
»Civic engagement today takes place in a rapidly evolving information ecosystem. More and more, traditional forums for discussion, the exchange of ideas, and debate are mirrored online on platforms like Facebook – leading to an increase in individual access and agency in political dialogue, the scale and speed of information consumption, as well as the diversity of influences on any given conversation. […] The overuse and misuse of the term ›fake news‹ can be problematic because, without common definitions, we cannot understand or fully address these issues. […] We’ve adopted the following terminology to refer to these concepts:
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25. April 2017
Im aktuellen Heft der Media Perspektiven findet sich ein Artikel von Camille Zubayr und Heinz Gerhard, der sich auf der Basis von Daten der AGF sowie GfK mit den inländischen Fernsehgewohnheiten und -Reichweiten beschäftigt. Die präsentierten Erhebungsergebnisse führen vor Augen: Das lineare Fernsehen war 2016 mit durchschnittlich 223 Minuten täglicher Nutzungsdauer (über alle Altersgruppen hinweg) nach wie vor mit Abstand das meist genutzte Alltagsmedium.
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14. April 2017
In dieser Woche ist der Text »The Renaissance of Techno-Utopianism as a Challenge for Responsible Innovation« von Sascha Dickel und mir im Journal for Responsible Innovation erschienen (kostenfreier Volltext ist für die ersten 50 Abrufenden).
Responsible research and innovation aspires to anticipate and assesses potential implications of innovations. Hence, emerging technologies are a crucial issue for this mode of foresight and governance. The case of nanotechnology demonstrated that discourses on those emerging technologies are increasingly shaped by techno-utopian narratives. We argue that these narratives are here to stay, because they are an expression of a contemporary medialization of science and technology. Since the RI community can neither ignore nor escape these techno-utopian narratives, it might engage in a hermeneutic reading of these visions as performative fiction. We use the case of desktop 3D printing to demonstrate in what way an analysis of techno-utopianism is able to reveal how responsibility for innovation gets redistributed.
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9. Februar 2017
In der Berliner Debatte Initial 27(4) ist in diesen Tagen der Artikel »Big Data: Informatisierung der Gesellschaft 4.0« erschienen. Nachfolgend einige kleine Ausschnitte aus dem Schlusskapitel.
In der Langzeitbetrachtung wird deutlich, dass sich im aktuellen Diskurs um die gesellschaftlichen Folgen von ›Big Data‹ viele der dystopischen und utopischen Erwartungen widerspiegeln, die bereits seit den 1960er-Jahren an digitale Massendaten und Datenfluten geknüpft worden sind […]. Nach der Emergenz der Idee einer Informationsgesellschaft im Kontext der akademischen Urbarmachung von Computern in den 1960er- und 1970er-Jahren (1. Phase), einer ersten Welle der Informatisierung der alltäglichen Lebenswelt in den 1980er- und 1990er-Jahren (2. Phase) sowie dem Aufstieg der Datenkonzerne und der zeitgleichen diskursiven Betonung der ermöglichenden Eigenschaften der Plattformen im Web 2.0 in den 2000er-Jahren (3. Phase) rücken seit 2010 explizit Massendaten sowie die Fragen nach ihrer Kontrolle und Auswertung in den Mittelpunkt der gesellschaftsweiten Diskussion um neue Informations- und Kommunikationstechnologien (4. Phase).
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