Splitter: »So ein Scheißhaufen« (Youtube etc.)

22. Dezember 2014

Auf Youtube dominieren Produktionen von TV-Sendern und professionellen Unterhaltungskünstlern sowie Musikvideos. Dazwischen finden sich allerdings mittlerweile auch eine ganze Reihe an Youtube-Stars, die den Geschmack der sogenannten ›digital natives‹ auf eine Weise treffen, wie er von klassischen Medienanbietern kaum bedient werden kann, und mit ihren Videos (via Werbung) inzwischen auch Geld verdienen. Einer der erfolgreicheren Youtube-Stars (30 Mio. Klicks pro Monat) – der 1990 geborene Simon Unge – hat sich nun lautstark beschwert (»So ein Scheißhaufen«): Über den führenden Online-TV-Werbevermarkter Mediakraft, bei dem er seit gut einem Jahr unter Vertrag steht.

Sein Vorwurf: Mediakraft profitiere sowohl geschäftlich als auch imagemäßig enorm von einigen populären YouTube-Stars, unterstütze diese aber finanziell und organisatorisch nur unzureichend. Mittlerweile hat sich Mediakraft mit einer eigenen Version der Vorkommnisse öffentlich gemeldet.

Welche Partei nun im konkreten Fall ihre Darstellungen (leicht) verzerrt hat, wird sich noch herausstellen. Der Konflikt zeigt indes, wie stark sich der Youtube-Markt professionalisiert hat: YouTube zufolge erzielen erfolgreiche Kanal-Betreiber durch die Beteiligung an Werbeeinnahmen (pro 1000 Views zwischen 4 und 6 Dollar) jährlich Umsätze im sechsstelligen US- Dollar-Bereich (Stand: Anfang 2014). Als Beispiel für eine erfolgreiche YouTube-Entertainerin wurde in den letzten Jahren oft die in den USA lebende Anfang 30-jährige Russin Olga Kay genannt, die bereits seit 2006 aktiv ist und mehrere Kanäle betreibt (u.a. Mode, Comedy und Games). Ihr Geschäft wird von der New York Times allerdings keineswegs als schnelle Goldgrube beschrieben:

»It’s a living. But it’s a frantic one. The 5-foot-1-inch Ms. Kay, who started her entertainment career as a juggler in Russia, is a juggernaut who has turned everything in her life into material for her videos. Her living room has become a studio for Olga Kay Games, the hall space outside her kitchen is used as an editing suite and her bedroom has been wallpapered in pink and white stripes to create a background for the taping of ›Mooshville‹, on which she gives makeup and fashion tips to her fans, who are largely young and female.

[…] In total, she posts at least 20 videos a week to her main channels […]. ›It is very stressful‹, she says. ›Every morning I wake up and think, What can I do that’s different that will keep me relevant for another year?‹ […] Ms. Kay […] says she has earned from $100,000 to $130,000 in each of the last three years. And while that’s a good income, she puts much of it back into her business, investing in merchandise, equipment and staff. […] Moreover, she shares a growing list of worries with other creators: the precipitously dropping prices that advertisers are willing to pay, the huge increases in uploaded content that has made it harder for viewers to find their work, and the escalating costs of producing higher-quality content.«

Vor diesem Hintergrund rät Robert Kyncl (Mitglied der YouTube-Geschäftsführung) Videokanalbetreibern bei steigendem Bekanntheitsgrad denn auch, zusätzliche Einnahmequellen zu erschließen und sich beispielsweise von einem etablierten Fernsehsender entdecken zu lassen (ebd.).

Insofern zeigt sich nicht zuletzt mit Blick auf YouTube, dass die hohen Erwartungen an das ›Web 2.0‹ und User Generated Content von den tatsächlichen Entwicklungen zunehmend konterkariert werden: Beiträge auf Videoportalen können mit Glück punktuell ein hohes Maß an Aufmerksamkeit erregen und ihren Autoren dabei helfen, die eigene Marke zu stärken. Um jedoch regelmäßig hohe Klick-Zahlen zu erreichen und dadurch das eigene Leben finanzieren zu können, wird ein nicht zu unterschätzendes Maß an Professionalität, an Anpassungsfähigkeit (an die Werbeindustrie) und an zeitlichem Einsatz notwendig. Nicht selten spielen zudem klassische massenmediale Programme und Anbieter mit Blick auf die übergreifende Popularisierung von Beiträgen und die weiteren Karriereperspektiven von YouTube-Stars eine wesentliche Rolle.

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