Splitter: Wikipedia und Wissenschaft

18. April 2012

Taemin Kim Park hat 2011 die Visibilität der Wikipedia in wissenschaftlichen Publikationen in den Jahren 2002 bis 2010 untersucht und Research Trends hat diese Studie nun repliziert. Dies geschah anhand der Datenbank Scopus, die über 42 Mio. Einträge zu wissenschaftlichen Publikationen weltweit umfasst, darunter die Abstracts und Zitationen aus über 17.000 Peer-Review-Journalen.

Kernergebnis: Sowohl die Zahl der wissenschaftlichen Artikel, die sich mit Wikipedia beschäftigen (2011: ca. 160), als auch die Zahl der Artikel, die aus der Wikipedia zitieren (2011: ca. 4000), steigt seit 2002 kontinuierlich an, wobei insbesondere Artikel aus dem amerikanischen Raum, mit Abstand gefolgt von Indien, UK, China und Deutschland, die Wikipedia als Zitationsquelle nutzen.

Von den Journalartikeln, die sich zwischen 2002 und 2011 mit der Wikipedia beschäftigt haben, stammen laut dieser Datenbankanalyse 29 Prozent aus dem Bereich Computer Science, 26 Prozent aus den Social Sciences, 9 Prozent aus dem Bereich Engineering, 6 Prozent aus dem künstlerischen und geisteswissenschaftlichen Bereich und 6 Prozent aus der Medizin (Andere: 25 Prozent).

Von den Artikeln, die aus der Wikipedia zitiert haben, stammten zwischen 2002 und 2011 rund 14 Prozent aus den Social Sciences, 12 Prozent aus dem Bereich Computer Science, 12 Prozent aus der Medizin, 11 Prozent aus dem Bereich Engineering sowie 10 Prozent aus Physik, Chemie und Astronomie (Andere: 41 Prozent).

Die Wikipedia wird also augenscheinlich als Forschungsgegenstand wie als wissenschaftliche Zitationsquelle zunehmend salonfähig. Daraus lässt sich allerdings noch kein Freibrief für Wikipedia-affine Studierende ableiten: Eine Hausarbeit vordringlich auf Wikipedia-Artikeln aufzubauen, macht einen genauso schlechten Eindruck, wie es seinerzeit von mangendem Arbeitseifer zeugte, im Literaturverzeichnis überwiegend Artikel aus dem dtv-Taschenlexikon aufzulisten. Überdies machen die Autoren der Research TrendsStudie auf eine viel zentralere Problematik von Wikipedia-Referenzierungen aufmerksam:

»Wikipedia is frequently updated making it a very dynamic resource. This raises potential issues of version control and instability of references: a Wikipedia entry referenced in a paper published 5 years ago may have changed considerably to the extent that it may no longer be applicable to the specific paper it is referenced in. […] In the coming years, academics will decide through their citation and referencing practices whether […] the advantages of free online encyclopedias outweigh their disadvantages.«

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Ein Kommentar zu “Splitter: Wikipedia und Wissenschaft”

  1. PepePauckerschreck says:

    Interessante Stats. Gibts auch eine Statistik für Studienarbeiten?

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