Nutzung tagesaktueller Medien 2015

15. September 2015

Die ersten Ergebnisse der aktuellen, seit Mitte der 1960er Jahre ca. alle fünf Jahre durchgeführten ARD/ZDF-Langzeitstudie Massenkommunikation liegen seit einigen Tagen vor (siehe zur langfristigen Entwicklung: Mediennutzung: Tendenz steigend…). Darunter finden sich u.a. Daten (Erhebungszeitraum 1/2015–5/2015; n=4300; bevölkerungsrepräsentative Stichprobe) zur Nutzung tagesaktueller Medien für die deutschsprachige Wohnbevölkerung ab 14 Jahren.

Mediennutzung 2015

Ein Novum ist dabei die Unterscheidung zwischen »medialen« und »nicht medialen« Inhalten bzw. Services in der Abfrage der Internetnutzung:

  • Dem medialen Internet »werden den klassischen tagesaktuellen Medien Fernsehen, Radio und Tageszeitung vergleichbare Inhaltskategorien […] zugeordnet und somit ermittelt, welche Inhalte dieser klassischen Medien im Internet genutzt werden. In einem engeren Sinne sind dies Fernsehinhalte im Internet, Radio im Internet und die Onlineangebote der Tageszeitungen. In einem erweiterten Umfang gehören hierzu auch alle Videos, weitere Audiodateien und Nachrichten.« (Engel/Breunig 2015: 314)
  • Das nicht mediale Internet umschreibt »Kommunikation, Spiele, Shopping, Suche und anderer spezieller Internetcontent« bzw. alle »nichtlinearen Angebote«.

Die Autoren merken an, dass »der Vergleich der Contentkategorien von Tageszeitung, Homepages der Tageszeitungen und anderen Nachrichten im Internet objektiv, aber vor allem für die Befragten schwierig ist« (315), weshalb eine Feinunterteilung nach dezidierten Zeitungs- bzw. Rundfunkinhalten und anderen Nachrichten-, Audio- bzw. Bewegtbildangeboten im Netz m.E. nicht unbedingt weiterführend erscheint.

Zudem liegt die in der Langzeitstudie Massenkommunikation 2015 gemessene Internet-Nutzungsdauer vor allen Dingen für die 14- bis 29-Jährigen deutlich niedriger als in der ARD/ZDF Onlinestudie 2014, was sich zum Teil auf die Erhebungsmethode zurückführen lässt und zu anderen auch darin begründet liegt, dass in der Onlinestudie die durchschnittliche Verweildauer der deutsch sprechenden Onliner bei tatsächlicher Nutzung und in der Langzeitstudie die durchschnittliche tägliche Nutzung für die jeweilige Altersgruppe insgesamt über die gesamte Woche hinweg gemessen wird.

Nichtsdestoweniger lassen sich im Vergleich zur Langzeitstudie Massenkommunikation 2010 folgende Verschiebungen feststellen:

  • Nach wie vor liegt das Fernsehen (via TV-Gerät) in der Nutzung tagesaktueller Medien der deutschen Gesamtbevölkerung an vorderster Stelle – allerdings mit leicht rückläufiger Tendenz (2010: 220 Min.; 2015: 208 Min.). In der Altersgruppe der 14- bis 29-Jährigen ist der tägliche klassische TV-Konsum ebenfalls nur leicht zurückgegangen (2010: 151 Min.; 2015: 144 Min.).
  • Das Radio als klassisches Nebenbei-Medium nimmt in der täglichen Mediennutzung im Bevölkerungsschnitt nach wie vor eine prominente Position ein (2010: 187 Min.; 2015: 173 Min.). Auch bei den 14- bis 29-Jährigen (2010: 136 Min.; 2015: 137 Min.) bleibt die Radionutzung stabil.
  • Der gedruckten Tageszeitung widmet sich der durchschnittliche Mediennutzer 2015 (wie 2010) ca. 23 Min. am Tag. Dieser Wert ist für die Unter-30-Jährigen ist mit 9 Min. traditionell deutlich geringer (2010: 10 Min.).
  • Die tägliche Internetnutzung insgesamt hat seit 2010 (ab 14 Jahre: 83 Min.; 14–29 Jahre: 144 Min.) erneut deutlich zugenommen (2015 – ab 14 Jahre: 107 Min.; 14–29 Jahre: 187 Min.). Davon entfallen bei den Unter-30-Jährigen rund 48 Min. auf mediale Inhalte (Online-TV, Videos, Internetradio, Audio, Zeitungsangebote online, weitere Nachrichtenangebote im Web) und 139 Min. auf nicht-mediale Angebote und Services (z.B. Kommunikation, Spiele, Shopping, Suche, Special Interest Content). Für die Bevölkerung ingesamt wird eine ähnliche Verteilung angegeben.

Engel/Breunig (2015: 317) hinterfragen indes, inwieweit die Unterscheidung zwischen tagesaktuellen und nicht-tagesaktuellen Medien heute überhaupt noch sinnvoll erscheint:

»Beim Genre Nachrichten lässt sich der Begriff ›tagesaktuell‹ auch sicher heute noch durch die Verbreitung täglich neuer Nachrichten charakterisieren, auch bei Live-Events ist der Aspekt der Tagesaktualität relevant. Bei anderen Angeboten ist diese Einordnung schwieriger. Individuelle Speichermöglichkeiten auf Endgeräten, Verfügbarkeit von Inhalten ›on demand‹ in sogenannten Managed Networks […], über Portale (wie YouTube oder Zattoo), Download und Streaming im freien Internet passen nicht immer zum Schema ›tagesaktuell‹ versus ›nicht tagesaktuell‹.«

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