Corona-Krise und Soziologie (3): Digitalisierung

28. März 2020

Soziopolis ist nun in die Dokumentation soziologischer Stimmen zur Corona-Krise eingestiegen (u.a. auch auf Grundlage der Sammlung hier). In dieser Übersicht noch nicht reflektiert werden die Eingaben von Hartmut Rosa, der die aktuelle Krise vor allen Dingen auch als Chance zur Entschleunigung und zum Innehalten beschreibt (»Plötzlich guckt man intensiv aus dem Fenster und sieht die ersten Blüten […]«, tagesspiegel) – in Gesprächen aber langsam feststellen muss, dass dies allenfalls für die privilegierten Teile der Bevölkerung mit eigenem Garten und stabilem Einkommen gilt (taz, swr2, sz). Mit Sicherheit werden seine Äußerungen in der nächsten Folge der Soziopolis-Reihe aufgegriffen werden.

Das gibt mir die Gelegenheit, etwas spezifischer zu werden und einige soziologische Stimmen zu dokumentieren, die sich mit den Wechselwirkungen der Corona-Pandemie und der Digitalisierung der Gesellschaft auseinandersetzen. Denn die fortgeschrittene Verbreitung digitaler Informations- und Kommunikationstechnologien (dem wird kaum jemand widersprechen) trägt nicht nur hierzulande wesentlich zur kollektiven Bewältigung der Krise bei. Hätte der SARS-CoV-2-Virus die Welt vor 25 Jahren in seinen Bann geschlagen, wären viele digitale Selbstverständlichkeiten, die uns heute im beruflichen wie im privaten Bereich verlässliche Alternativen zu Face-to-Face-Kontakten bieten (z.B. Videochats, Messaging, Lernplattformen) und den Lockdown des öffentlichen Lebens erträglicher machen (z.B. Streaming) schlicht noch nicht verfügbar gewesen (dazu z.B. auch Johannes Weyer). Und ebenso wäre die grundlegende wechselseitige Abhängigkeit der Menschen auf globaler Ebene, auf die bereits Marshall McLuhan hingewiesen hat, wohl kaum in der jetzt für jeden nachvollziehbaren Transparenz und Deutlichkeit zu Tage getreten.

Zugleich stellt die gegenwärtige Krise allerdings nicht nur eingeschliffene Thesen zu den soziopolitischen Effekten der Digitalisierung (wie z.B. zu einer technikgetriebenen Dezentralisierung oder zu einem Funktionsverlust journalistischer Massenmedien) in Frage, sondern zeigt uns auch die lebensweltlichen Grenzen onlinevermittelter Kommunikation auf, die Hans Magnus Enzensberger bereits im Jahr 2000 in der ihm damals noch eigenen Klarheit herausgearbeitet hat (Das digitale Evangelium): Gerade weil wir nun im Zweifelsfall nicht auf die direkte soziale Interaktion zurückgreifen können, treten die Unzulänglichkeiten digitaler Kanäle um so deutlicher zu Tage. Das zeigt sich im persönlichen Austausch; das zeigt sich ebenso in der Online-Lehre an (Hoch-)Schulen. Technikvermittelte Austauschprozesse bleiben eine limitierte Alternative zu direkten sozialen Interaktionen und körperlicher Ko-Präsenz.

In der gegenwärtigen Diskussion sehen die meisten soziologischen Kommentierenden die Corona-Krise indes vor allen Dingen als Beschleuniger für die Digitalisierung – durchaus auch in kritischer Hinsicht. Ein (wie immer selektiver) Überblick:

  • Andreas Reckwitz (taz): »Erstens wird diese Krise die Digitalisierung der Gesellschaft vermutlich forcieren. Denn im Zuge der Krise greift man auf digitale Instrumente zurück: Homeoffice, Digital Learning, digitale Beratung und Betreuung, Onlinekonsum. Das soziale Leben setzt in der Welt des Digitalen keine körperliche Anwesenheit voraus, was nun ein Vorteil ist. Es ist wahrscheinlich, dass man danach auf diesen Erfahrungen aufbaut. Zweitens ist zu vermuten, dass die Krise das Bewusstsein dafür fördert, dass Globalisierungsprozesse mehr Regeln benötigen.«
  • Heinz Bude (deutschlandfunk): »Das Home-Schooling scheint doch einigermaßen zu funktionieren. Es gibt digitale Möglichkeiten dazu. Aber – und da kommen wir schon zu einem ersten Punkt – das Home-Schooling wird eine Ungleichheit einführen in der Art der Beschulung unserer Kinder, nämlich schon allein bei denjenigen, die über einen stabilen Internet-Anschluss zu Hause verfügen und eine gute Gerätschaft, und denen, die nicht darüber verfügen, oder bei denen die Eltern im Hintergrund mitwirken, dass die Schüler wirklich die digital zugewiesenen Aufgaben erledigen und sich auf andere beziehen über Chat Rooms, und denen, die nicht darauf achten. […] Das zweite Problem sicherlich ist das Problem, was jetzt auf dem Tisch ist: die Nutzung von Bewegungsdaten. Das heißt, dass bei Leuten, die sich isolieren sollen, auch darauf geachtet wird, dass sie das auch tun, durch eine digitale Steuerungsmöglichkeit und Überwachungsmöglichkeit.«
  • Sabine Pfeiffer (fau@youtube): »Ich glaube, jeder lernt jetzt dazu. Was ein großes Problem ist: Wir müssen an die Menschen denken, die in Gegenden leben, wo die Internetbandbreiten so etwas […] wie eine Videokonferenz […] nur erschwert zulassen. Das ist natürlich auch für die Unternehmen, die dort sitzen, wahnsinnig schwierig […]. Und wir müssen an die Menschen denken, die sich das vielleicht nicht leisten können, nicht technisch auf dem neuesten Stand sind.«
  • Max Jansen (freitag:blog): »Während sich viele […] emotional wohl einer Mischung aus Überforderung, Unsicherheit und geistiger Entschleunigung gegenüber sehen, schießt die Nutzung diverser Online-Unterhaltungsangebote in die Höhe. […] Wenn das Internet dann leer geguckt ist, lohnt sich offensichtlich für viele auch der Griff zu Homeoffice- und Schul-Apps, die momentan auf den Toprängen der Stores von Apple und Google rangieren […]. All dies sind Ausprägungen eines sich aktuell verstärkenden Trends zur Digitalisierung, der so etwas wie eine erste Antwort auf die Herausforderungen von Ausgangssperren, Kontaktverboten und Quarantäne zu sein scheint. Wenn angesichts der derzeitigen Krise dann auch den letzten Verantwortlichen in Staat und Wirtschaft die Vorzüge der Digitalisierung bewusst geworden sind, könnten sogar öffentliche Verwaltung, Schulen und Universitäten von einem sich wandelnden Umgang mit ihr profitieren.«
  • Gesa Lindemann (ZEIT): »Weitere große Gewinner der Corona-Krise sind die Internet- und Telekommunikationskonzerne und ihre Überwachungsmöglichkeiten. Wir alle werden jetzt daran gewöhnt, dass Fernkommunikation die Nahkommunikation gut ersetzen kann. Ärgerlich ist nur die mangelnde technische Infrastruktur: Die Internetverbindung reicht nicht für die Videokonferenz. Es wird jedem einleuchten, dass wir dringend nachbessern müssen. Wenn wir alle getreulich ermahnt werden, uns nicht anzufassen, aber dennoch dauernd per Netz erreichbar zu sein, können wir zugleich genau technisch verortet werden. […] Auch wenn das Ausmaß sich unterscheidet, gilt wohl in jedem Fall, dass wir stärker daran gewöhnt werden, dass ein technisches Netz über uns ausgeworfen wird und dass Datenschutz eher ein Hindernis darstellt, wenn er mit einem berechtigten Interesse einer Organisation oder des Staates an unseren Daten kollidiert.«
  • Andreas Knie (NahverkehrHamburg) »Corona wird mit Sicherheit die Form, in der wir bisher gearbeitet haben, nachhaltig verändern. Die Corona-Krise ist quasi ein Indikator dafür, wie weit wir mit der Digitalisierung in Deutschland wirklich sind – nämlich teilweise völlig hinterher; gerade im Behördenbereich. Wir werden mehr von zu Hause oder in Co-Working-Spaces arbeiten. Auch Dienstreisen werden abnehmen. Wir werden merken, dass wir es an der einen oder anderen Stelle bisher übertrieben haben und dass sich viele Meetings auch gut durch digitale Konferenzen ersetzen lassen. Aber uns wird in diesen Tagen sicher auch bewusst, dass in einigen Situationen Face-to-Face-Begegnungen die bessere Wahl sind.«
  • Paula-Irene Villa Braslavsky et al. (offener Brief): »Universitäten, Hochschulen und Akademien sind nun als (virtueller) Raum gefragt […]. Aber die Hochschulen müssen auf den überstürzten Takt der öffentlichen Entwicklungen und Maßnahmen mit Entschleunigung reagieren (können). […] Wenn wir als Lehrende konstruktiv und im Sinne der Studierenden agieren wollen, kann es nicht darum gehen, so schnell wie möglich den Status quo des herkömmlichen Lehr- und Prüfungssystems online wiederherzustellen. Wir meinen: Die Lehre im Sommersemester soll stattfinden, aber das Semester soll nicht formal zählen. […] Weder Lehrende noch Studierende sind in den meisten Fällen mit den Methoden und Tools des E-Learning hinreichend vertraut. Präsenzlehre lässt sich nicht umstandslos ins Internet verlagern. […] Die technische Infrastruktur und die notwendigen Ressourcen sind vielfach weggebrochen. […] Von diesen Einschränkungen sind vor allem sozial schwache Studierende betroffen.«


Corona-Krise und Soziologie (2)

20. März 2020

Mit jedem weiteren Tag zeichnet sich immer deutlicher ab: Die Corana-Krise wird das gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische bzw. öffentliche und private Leben nicht nur für einige Wochen, sondern für viele Monate und Jahre prägen – und es gehört nicht viel dazu, um vorherzusagen: Das ist ein Einschnitt, an den wir unser ganzes weiteres Leben immer wieder zurückdenken werden. Ich möchte an dieser Stelle wie schon im letzten Post einfach, unkommentiert und naturgemäß selektiv einige Stimmen dazu aus der Soziologie dokumentieren, die in dieser Zeit auch eine seismographische Funktion erfüllt (bzw. einnehmen sollte):

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Corona-Krise und Soziologie

15. März 2020

Die Corona-Krise und der aktuelle Shutdown des öffentlichen Lebens bietet eine gute Gelegenheit, über Gesellschaft nachzudenken – nicht nur mit Blick auf die Frage, welches Maß an sozialer Distanzierung die Ausbreitung des Virus’ verlangsamen und so die jeweiligen Gesundheitssysteme entlasten kann (siehe dazu einen Artikel der Washington Post), sondern z.B. auch hinsichtlich der Bedeutung öffentlicher Veranstaltungen und oft als selbstverständlich empfundener Versorgungsstrukturen in der Alltagswelt, der Relevanz journalistischer Nachrichtenmedien, dem Vertrauen in staatliche Strukturen, der Erosion von sozioökonomischer Erwartungssicherheit oder veränderten Formen des (technikvermittelten) sozialen Miteinanders.

Dementsprechend ist die Corona-Krise ein viel diskutiertes Thema auch unter Sozialwissenschaftlerinnen und Sozialwissenschaftlern, wobei sich bislang naturgemäß primär einschlägige Zeit- und Gegenwartsdiagnostiker in die öffentliche Diskussion eingebracht haben. Nachfolgend fünf (zu ergänzende) Beispiele:

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Kurz notiert: Wissenschafts- und Techniksoziologie in der digitalisierten Gesellschaft (Programm)

23. Februar 2020

Das Programm zur diesjährigen Frühjahrstagung der DGS-Sektion Wissenschafts- und Technikforschung lässt sich nun abrufen (PDF). Am 14. und 15. Mai werden Noortje Marres (Warwick), Johannes Weyer (Dortmund), Dirk Baecker (Witten), Ingo Schulz-Schaeffer (Berlin) und viele weitere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Essen über Theorien, Methoden und Perspektiven der Wissenschafts- und Techniksoziologie in der digitalisierten Gesellschaft diskutieren:

Die gesellschaftliche Differenzierung und der technische Fortschritt sind zentrale Treiber sozialen Wandels und fordern die Wissenschafts- und Techniksoziologie in regelmäßigen Abständen zur Aktualisierung ihrer Theorien und Methoden auf. Zugleich rücken viele dieser soziotechnischen Veränderungsdynamiken in der Wissenschafts- und Technikforschung zu einem deutlich früheren Zeitpunkt in den Blick als auf anderen sozialwissenschaftlichen Feldern. Die Digitalisierung der Gesellschaft als sogenannter Megatrend bietet für die Wissenschafts- und Technikforschung daher nicht nur ein riesiges Reservoir an Themen, sondern zugleich auch eine willkommene Gelegenheit zur Selbstreflexion. Die Frühjahrstagung der DGS-Sektion Wissenschafts- und Technikforschung will dementsprechend genauer eruieren, welche Beiträge für das Verständnis der digi- talen Transformation der Gesellschaft bis dato geleistet worden sind und wo konkrete Forschungslücken liegen.

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CfP: »Digitale Daten und neue Methoden: Chancen und Herausforderungen für die Soziologie«

11. Februar 2020

Der Call for Papers für eine (der zwei) Veranstaltungen der Sektion Wissenschafts- und Technikforschung auf dem diesjährigen DGS-Kongress (14.-18. September 2020 in Berlin) zum Thema »Digitale Daten und neue Methoden: Chancen und Herausforderungen für die Soziologie« liegt nun vor:

Das Internet bzw. das Social Web bieten der Soziologie heute einen gewaltigen Pool an potenziell verfügbaren Daten (‚Big Data‘). Aus dieser Disponibilität ergibt sich allerdings eine Vielzahl an Schwierigkeiten – von der Problematik der Datenauswahl über wissenschaftliche Zugriffsrechte bis hin zu Fragen der Reliabilität, Repräsentativität und forschungsethischen Verortung. Da die zu analysierenden Daten zudem im Regelfall nicht durch die Forschenden selbst erhoben wurden, werden übliche Verfahren des Testens der Datengüte in Frage gestellt und die Möglichkeit zur (Selbst-)Täuschung über Korrelationen und Kausalitäten wächst. Daneben haben sich durch die verbreitete Nutzung von mobilen Geräten wie Smartphones aber auch die Möglichkeiten der sozialwissenschaftlichen Datenerhebung erweitert. Über entsprechende Smartphone-Anwendungen lassen sich beispielsweise Daten in unterschiedlicher Granularität kontinuierlich generieren und über verteilte Systeme kollaborativ auswerten. 

Aber wie valide sind die so gewonnenen Daten – gerade auch im Vergleich zu etablierten Erhebungsmethoden? Wie lassen sich die sehr weitreichenden Versprechen, die an ‚Big Data‘ geknüpft werden, in der empirischen Sozialforschung einlösen und welche Kritik lässt sich im Gegenzug anbringen? Welche Rolle spielen neue technische Infrastrukturen bei der Registrierung und Auswertung der Daten und welche Bedeutung hat dies für eine digitale Soziologie bzw. Computational Sociology? Inwiefern kann die Soziologie angesichts ihrer theoretischen Fundierung und ihrer umfänglichen Erfahrung mit komplexen Datenbeständen zu einer belastbaren Auswertung digitaler Massendaten beitragen?

Zum Call for Papers »


Kurz notiert: Theoretische und empirische Grundlagen einer soziologischen Digitalisierungsforschung – Teil 3

28. Januar 2020

Das Programm für den dritten Workshop im Arbeitskreis Digitalisierung und Organisation in der Sektion Organisationssoziologie zum Thema »Theoretische und empirische Grundlagen einer soziologischen Digitalisierungsforschung« (5. und 6. März, TU Berlin) ist fertiggestellt und kann hier abgerufen werden.

20 Vorträge aus vielfältigen Themenfeldern und eine Keynote von Sabine Pfeiffer stehen auf der Liste. Dazu organisieren wir auch diesmal einen interaktiven Austausch im Kontext unseres Workshops. Wir freuen uns auf spannende Diskussionen mit allen Teilnehmenden. Eine Teilnahme ist auch ohne eigenen Vortrag möglich.


Winterlektüre: »Technics and Civilization« (Lewis Mumford 1934)

7. Januar 2020

Vor rund 85 Jahren – 1934 – ist Lewis Mumfords (1895–1990) Buch »Technics and Civilization« erschienen, welches sich auf monoskop.org als photographisches PDF einsehen lässt. Schon in dieser Zeit war Mumford ein Technikkritiker, Apokalyptiker und Kulturpessimist mit einem stellenweise stark moralisierenden Tonfall, der das Buch mitunter fast unlesbar macht und später in The Myth of the Machine (1967/1970) vollkommen die Oberhand gewinnen sollte. Nichtsdestoweniger stellt Mumford Fragen, die auch heute noch – in einer Phase, in der sich die Gesellschaft ihrer umfassenden Digitalisierung bewusst wird – überaus anregend sind (S. 3):

»During the last thousand years the material basis and the cultural forms of Western Civilization have been profoundly modified by the development of the machine. How did this come about? Where did it take place? What were the chief motives that encouraged this radical transformation of the environment and the routine of life: what were the ends in view: what were the means and methods: what unexpected values have arisen in the process? […] While people often call our period the ›Machine Age‹, very few have any perspective on modern technics or any clear notion as to its origins. […] Men had become mechanical before they perfected complicated machines to express their new bent and interest […]. Behind all the great material inventions of the last century and a half was not merely a long internal development of technics: there was also a change of mind. Before the new industrial processes could take hold on a great scale, a reorientation of wishes, habits, ideas, goals was necessary.«

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Splitter: »Algorithmic Governance«

6. Dezember 2019

Christian Katzenbach (HIIG Berlin) und Lena Ulbricht (WZB) haben einen handlichen und systematisierenden Artikel zu »Algorithmic Governance« verfasst, der sich kostenfrei abrufen lässt. Das Abstract:

Algorithmic governance as a key concept in controversies around the emerging digital society highlights the idea that digital technologies produce social ordering in a specific way. Starting with the origins of the concept, this paper portrays different perspectives and objects of inquiry where algorithmic governance has gained prominence ranging from the public sector to labour management and ordering digital communication. Recurrent controversies across all sectors such as datafication and surveillance, bias, agency and transparency indicate that the concept of algorithmic governance allows to bring objects of inquiry and research fields that had not been related before into a joint conversation. Short case studies on predictive policy and automated content moderation show that algorithmic governance is multiple, contingent and contested. It takes different forms in different contexts and jurisdictions, and it is shaped by interests, power, and resistance.