Social Media und die Landtagswahl im Süden

27. März 2011

Wir erinnern uns – Social Media als neue Mobilisierungskanäle im Wahlkampf waren 2008/2009 ein ganz großes Thema:

»Der Wahlkampf von Präsident Barack Obama hat neue Maßstäbe in der Mobilisierung von Bevölkerungsmassen gesetzt. Fundamente dieser Mobilisierung waren die pro-aktive Verwendung von Kommunikationsplattformen des Web 2.0 und das kreieren einer Marke ‘Obama’, die sich über eben diese Plattformen etablierte.«

»Obama« hatte über 3 Mio. Freunde auf Facebook (McCain: 0,6 Mio.), über 1 Mio. Bekannte auf Myspace (McCain: 0,2 Mio.) und über 100.000 Follower auf Twitter (McCain: 5000). Dass Obama 2009 zu Protokoll gab, selbst noch nie Twitter genutzt zu haben, und damit die Social-Media-Aktivitäten in seinem Namen als reine Marketing-Instrumente entlarvte, soll hier nicht erneut in aller Breite diskutiert werden (vgl. einen CARTA-Artikel). Welche Rolle aber spielten Social Media im Landtagswahlkampf 2011 in Baden-Württemberg? Weiterlesen »


Heute ist die Zukunft von gestern — Teil III

23. März 2011

In der Ära von Facebook, Twitter und iPad wirkt folgendes Spiegel-Interview mit Mitch Kapor wie ein Fragment aus einer lange vergangenen Urzeit – tatsächlich ist es aber erst knapp 16 Jahre alt:

F: Wo soll denn überhaupt der Nutzen der Datenautobahn liegen?

A: […] Menschen haben ein ungeheures Bedürfnis nach Kommunikation. Sie brauchen den Kontakt zu anderen, beruflich, gesellschaftlich – auf allen Ebenen.

F: Warum brauchen Sie dafür einen Computer, wo es doch das Telefon gibt?

A: Beim Telefonieren müssen die Gesprächspartner gleichzeitig präsent sein, E-Mail funktioniert auch zeitversetzt. […] die Möglichkeit, mit entfernten Partnern zeitversetzt zu kommunizieren, hat enorme Vorteile.

Nun ist Der Spiegel ein Wochenmagazin, das die allgemeine Öffentlichkeit adressiert – und selbst 1997 verfügten erst 6 bis 7 Prozent der Deutschen über einen Internet-Zugang. Insofern erscheint es verständlich, dass der Interviewer 1995 noch eher eine kritische Haltung gegenüber dem Web eingenommen hat.

Das englischsprachige Mechanix Illustrated wagte indes schon 1968 einen beherzteren Blick in die Zukunft und notierte unter der Überschrift »40 Years in the Future«:

»The single most important item in 2008 households is the computer. These electronic brains govern everything […]. Weiterlesen »


Apple: »Eine Art DDR der Technologie« (Lobo)?

13. März 2011

Kolumnen sollen zuspitzen und polarisieren – so gesehen ist der Blogger und Werbetexter Sascha Lobo mit seinem Kolumnenfenster auf Spiegel Online auf dem richtigen Weg. Sich jede Woche etwas Neues aus den Fingern saugen zu müssen, führt allerdings auch hin und wieder zu Übertaktungen wie in seinem aktuellen Beitrag, in dem er Steve Jobs zwischen den Zeilen als einen internet- und computerökonomischen Darth Vader umschreibt, der »in unendlicher Arroganz« ein »dunkles Reich« erschafft:

»Steve Jobs beherrscht mediale Inszenierungen abstoßend gut, “Click, Boom, Amazing!”. Eigentlich ist Apple eine PR-Agentur mit angeschlossenem Merchandising. Dabei prägt Apple das Post-PC-Zeitalter wie keine andere Firma, spielt aber unfair und dekretiert digitaldiktatorisch die Deal-Regeln. […] Apples Walled Garden, das geschlossene, digitale Reich von Steve Jobs, ist eine Art DDR der Technologie, das für echte und vermeintliche Sicherheit einen entscheidenden Teil der Freiheit aufgibt.«

Wie vermutlich von seinem Brötchengeber erhofft, haben diese Aussagen eine hitzige Diskussion im Spiegel Forum hervorgerufen. So gab z.B. ein Leser zu Protokoll, der Artikel sei von »Neid und von Unverstand« sowie  »von blamabler Unkenntnis des menschenverachtenden DDR-Systems« geprägt.

Apple

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Castells: Communication Power (Buchhinweis)

3. März 2011

Manuel Castells, der in den 1990ern den Titel »Guru des Informationszeitalters« (Focus) einstreichen konnte, hat mal wieder ein Buch publiziert, das mit knapp über 600 Seiten zwar nicht an die Regalstärke seiner Triologie »The Information Age. Economy, Society, and Culture« heranreicht, aber trotz seines knackigen Titels »Communication Power« doch wieder recht umfangreich geraten ist. Darin analysiert er die Auswirkungen systematischer Kommunikation auf wirtschaftliche und politische Entscheidungsprozesse und wirft dabei auch mal ein Auge auf die Kommunikationsweisen von Popstars und Schauspielern (wenn auch gottseidank nicht auf den Twitter-Account von Charlie Sheen).

Unter vielem anderem stellt Castells in diesem Band, der schon 2009 in englischer Sprache erschienen ist, aber bislang (wohl auch aufgrund noch fehlender Übersetzung) in den deutschsprachigen Diskurs nicht wirklich Eingang gefunden hat, die These auf, dass sich die moderne (Netzwerk-)Gesellschaft in vielfältigen Wechselprozessen zwischen neueren wirtschaftlichen Krisen, sozialen Bewegungen und vor allen Dingen durch die graduelle Veränderungskraft der sich ständig weiterentwickelnden Informations- bzw. Kommunikationstechnologien sowie die Verstärkungswirkungen der Massenmedien und der sozialen Medien im World Wide Web herauskristallisieren konnte,

 


Splitter: »unkompliziert zum begehrten Titel«

28. Februar 2011

Die Qualitätsblätter dieser Republik geben sich in diesen Tagen alle Mühe, die Flammen um Guttenbergs wissenschaftliche Verfehlungen hoch zu halten – und dies vollkommen zurecht (vgl. GuttenPlag Wiki – Update: KTG ist zurückgetreten). Bei der Zusammenstellung ihrer Anzeigen (zum Teil durch Google vollautomatisiert) ist ZEIT-Online allerdings mindestens heute ein Fauxpas unterlaufen, der sich nahtlos in einen Buchreport-Beitrag zu den Werbepraktiken der Zeit-Print-Ausgabe einreiht (J. Leser: »Die Zeit wird 65 – ein Rentenbescheid«):

Werbung für Ehrendoktor

Diese unscheinbare Text-Anzeige, die sich via Google AdWords unter einen Artikel geschmuggelt hat (28.2.2011, 14.56 Uhr, hier der ganze Screenshot), der zwischen den Zeilen mögliche Mauscheleien schon bei Guttenbergs Zulassung als Doktorand anheim stellt, führt direkt zu einem Angebot (ehrendoktorwuerde.de), das »Klienten [ohne] abgeschlossenes Universitäts- oder Fachhochschulstudium« auf der Suche »nach einer außergewöhnlichen Ehrung« unterstützt:

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Neuere Studien zu Social Media und Web 2.0

20. Februar 2011

Neuere Zahlen und Studien hier: Neuere Studien zu Social Media: Update 12/2011

Über das Transformationspotential des »Web 2.0« bzw. der sogenannten »Social Media« wird seit Jahren auf- und angeregt diskutiert, so auch auf der jüngsten Tagung des Netzwerks Medienethik (Thema: Medien und Zivilgesellschaft). Dabei werden weitreichende Vorhersagen und Veränderungshypothesen formuliert — und nicht selten der Bezug zu den empirischen Nutzungsdaten vernachlässigt (vgl. »NDiN?«).

social-media

Quelle: http://inforrm.wordpress.com/

Grund genug, um an dieser Stelle einige im Web verfügbare Studien zu den Präferenzen der Onliner und den Inhalten von Social Media in der BRD zusammenzutragen: Weiterlesen »


Splitter: Auf Daten-Exkursion gehen…

2. Februar 2011

Die Typologie der Wünsche (TdW) ist eine regelmäßige repräsentative Erhebung (Gesamtbevölkerung BRD ab 14 J., n=20.000+) und bietet seit 1996 auch Online-Auswertungsmöglichkeiten an, so auch für die aktuelle TdW 2011. Das im Browser vollfunktionsfähige und kostenfreie Auswertungstool ermöglicht es dem geneigten Daten-Exursionisten, in Kreuztabellen die abgefragten Konsum- und Mediennutzungspräferenzen mit den demographischen Daten oder den Lebenseinstellungen der Befragten gegenüberzustellen. Hier zwei einfache Kostproben (nur zu wissenschaftlichen Zwecken):

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