Blick über den Teich: The State of the News Media 2013

2. April 2013

Mitte März hat das Pew Research Center die 10. Ausgabe des »State of the News Media«-Reports veröffentlicht, der einen ersten Überblick über die amerikanische Medienlandschaft gibt. Eines der Kernergebnisse: Die Zahl an Vollzeit-Journalisten in US-Verlagen sinkt kontinuierlich seit der Jahrtausendwende und liegt erstmal seit 1978 bei unter 40.000. Zugleich investieren Parteien, Interessengruppen und Unternehmen mehr und mehr in ihre PR-Arbeit. Nach Einschätzung des Reports steigt dadurch die Möglichkeit zur ungefilterten Einflussnahme erheblich an, da viele Redaktionen nicht mehr über die notwendigen Ressourcen für eine angemessene Überprüfung verfügen. Diesen Qualitätsverlust spüren die Rezipienten und greifen u.a. auch deshalb zunehmend weniger auf Zeitungen und Rundfunkangebote zurück.

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Neue Medien in Rocky Beach

20. März 2013

Vieles hat sich in den letzten 30 Jahren in Rocky Beach, dem fiktiven Handlungsort der Hörspielserie »Die drei ???«, nicht verändert: Die Protagonisten sind kaum gealtert, der Gebrauchtwarenhandel floriert nach wie vor und der Kleinganove Skinny Norris ist noch immer auf der Jagd nach dem schnellen Geld. Mediale Neuerungen haben allerdings durchaus Eingang in die Welt der drei Detektive gefunden, die inzwischen auch per Tastatur und Handy ermitteln. Interessant erscheint dabei vor allen Dingen der Einführungszeitpunkt, denn einerseits lebt die Serie von der Beständigkeit ihres Settings; andererseits aber gehen die »drei ???« seit jeher kreativ mit den gegebenen kommunikationstechnischen Möglichkeiten um.

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Als das Label Europa 1979 die ersten Folgen der Hörspielserie Die drei ??? auf den Markt brachte, rechnete vermutlich niemand damit, dass die Kriminalgeschichten um das Jugenddetektiv-Trio Justus, Peter und Bob aus dem fiktiven kalifornischen Küstenstädtchen Rocky Beach in den nachkommenden Jahrzehnten zu einer der erfolgreichsten Serien ihrer Art avancieren sollten und mittlerweile von einigen Folgen über 100.000 Einheiten abgesetzt werden. Medienwissenschaftlich interessant wird die Serie dabei nicht nur aufgrund der engen Verzahnung ihrer Erfolgsgeschichte mit der Etablierung leicht zu bedienender Kassettenrecorder in den 1980er Jahren und der breiten Altersstreuung ihrer heutigen Hörerschaft, sondern auch mit Blick auf die Reflexion medialer Neuerungen in den bislang 160 Episoden. […]

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BRD: E-Books bei 2 Prozent Marktanteil (Update)

10. Februar 2013

Auf der Grundlage einer repräsentativen Umfrage unter 10.000 Personen hatte Media Control im September errechnet, dass in Deutschland in den ersten sechs Monaten des Jahres 2012 ähnlich viele E-Books heruntergeladen wurden wie im gesamten Jahr 2011 (4,59 Mio kostenpflichtige und 3,24 Mio kostenlose E-Books); nicht abgedeckt durch diese Werte sind naturgemäß illegale Downloads. Der E-Book-Anteil am deutschen Gesamtbuchmarkt für das erste Halbjahr 2012 lag diesen Zahlen zufolge bei 2 Prozent (2011 gesamt: ca. 1 Prozent; 2011 1. HJ.: ca. 0,7 Prozent; 2010: ca. 0,5 Prozent).

Mittlerweile liegen die auf derselben Grundlage erhobenen Marktkennzahlen für das gesamte Jahr 2012 vor und bestätigen die früheren Prognosen: »2012 [wurden] hierzulande rund 12,3 Millionen E-Books kostenpflichtig heruntergeladen. Damit lag der Absatz zweieinhalb Mal so hoch wie 2011, als 4,9 Millionen E-Book-Käufe verzeichnet wurden. […] Auch im gesamten Buchmarkt nehmen E-Books eine immer größere Rolle ein: Sie verdoppelten ihren Umsatzanteil binnen eines Jahres von ein auf zwei Prozent.« Die Daten liegen folglich relativ passgenau in der Erwartungsschneise, die eine vielrezipierte Prognose des Consulting-Unternehmens Kirchner+Robrecht aus dem Jahr 2009 geschlagen hat (ähnlich PWC 2010).

Anteil E-Books am Gesamtbuchmarkt BRD (in Prozent)

Quellen: Media Control 2012, GfK 2012, Börsenverein 2012, K+R 2009

Insofern lässt sich der bisherige Wandel des deutschen Buchhandels bislang durchaus als eine Phase zwischen Kontinuität und Bruch beschreiben (vgl. »Internet, Mobile Devices und die Transformation der Medien«, S. 121–144):

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Heute ist die Zukunft von gestern XII: »The End of Books« (Octave Uzanne 1894)

12. Januar 2013

Der Schriftsteller, Verleger und Büchersammler Louis-Octave Uzanne (1851–1931) veröffentlichte 1894 im Scribner’s Magazine das Protokoll einer »after-supper prophecy«, in der er (wohl als einer der ersten Kommentatoren) das nahe Ende des gedruckten Buches postulierte und fast schon nebenbei die Erfindung des Walkmans und das Aufkommen von Audio- und Bewegtbild-Nachrichten sowie Home-Movies vorhersagte (»The End of Books« von Octave Uzanne, mit Illustrationen von Albert Robida, Scribner’s Magazine 16 (1894), S. 221–231).

Andererseits gingen seine Ausführungen in vielerlei Hinsicht aber auch an den konkreten technischen Ausformungen und Nutzungsweisen vorbei – und Uzanne konnte sich augenscheinlich kaum vorstellen, dass gedruckte Bücher und Bild- bzw. Tonmedien gleichzeitig, nebeneinander und komplementär bestehen können (wie es im 20. Jahrhundert der Fall war):

»[…] the elevator has done away with the toilsome climbing of stairs; phonography will probably be the destruction of printing. Our eyes are made to see and reflect the beauties of nature, and not to wear themselves out in the reading of texts […].

There will be registering cylinders as light as celluloid penholders, capable of containing five or six hundred words and working upon very tenuous axles, and occupying not more than five square inches all the vibrations of the voice will be reproduced in them […]. As to the electricity, that will often be found in the individual himself. Each will work his pocket apparatus by a fluent current ingeniously set in action; the whole system may be kept in a simple opera-glass case, and suspended by a strap from the shoulder. […]

Walkman

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»Das Ende der Zeitung« (mal wieder)

9. Januar 2013

In der Internet-Wochenzeitung Kontext (Samstags als Beilage der Westausgabe der taz) prognostizierte Thomas Rothschild vor einigen Tagen unter dem Titel »Das Ende der Zeitung« wieder mal den schleichenden Tod des professionellen Journalismus:

»Die unbequeme Wahrheit, die niemand hören will, lautet: Der Journalismus als ein bezahlter Beruf wird mit großer Wahrscheinlichkeit aussterben. […] Blogs beweisen ja, dass es Laien gibt, die nicht schlechter schreiben als professionelle Kritiker, zumal eine Entprofessionalisierung unter den bestallten Journalisten längst stattgefunden hat.

[…] Wie Heimwerker mithilfe der Baumärkte die professionellen Handwerker von einst, so werden Amateurschreiber Journalisten ersetzen, die ja schon bisher nur in Ausnahmefällen eine einschlägige Ausbildung hatten. […] Den Journalismus als Beruf hat es nicht immer schon gegeben, und auch andere Berufe sind verschwunden: die Weber, die Heizer, die Küfer, die Setzer, die Henker zum Beispiel. Den Schaffner in der Straßenbahn ersetzt ein Automat ebenso wie den Kaffeesieder im Kaffeehaus […].

[…] Warum sollten ausgerechnet Zeitungen und Journalisten überleben? Weil wir es uns wünschen? Das Wünschen hat schon lange nicht mehr geholfen. Vielleicht früher einmal, als es noch keine Zeitung gab.«

Ende der Zeitung?

Damit recycelt der Autor eine These, die seit Aufkommen des Internet in aller Regelmäßigkeit vertreten wird (vgl. kritisch schon: Telepolis 2001), aber auch gemessen an den Kommentaren zum Artikel wohl doch langsam an Überzeugungskraft verliert und differenzierteren Sichtweisen weicht. Dazu ein kleiner Ausschnitt aus »Internet, Mobile Devices und die Transformation der Medien« (Berlin: 2013, S. 23ff.):

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Heute ist die Zukunft von gestern XI: »Mesomedien«

6. Januar 2013

Der Begriff Mesomedien, der Ende der 1990er Jahre u.a. durch Lars B. Karle geprägt wurde, konnte sich im deutschsprachigen Diskurs um die Onlinetechnologien nie breitenwirksam durchsetzen – und das ist eigentlich schade, denn er könnte durchaus auch heute noch zu einer klareren Sicht auf die Medienlandschaft beitragen. In einem neun Jahre alten Sammelband (»E-Merging Media«, Springer 2004) – also noch vor Aufkommen des Schlagwortes »Web 2.0« – wurden Mesomedien wie folgt gefasst:

»Meso-Medien, die sich an kleine Zielgruppen von einhundert bis einhunderttausend Teilnehmern wenden, […] werden durch das Internet erstmals auf eine ökonomisch tragfähige Basis gestellt. Die Verringerung der Anschaffungskosten für digitale [..] Bearbeitungsausrüstung erlaubt geneigten Amateuren zudem nahezu professionelle Arbeitsbedingungen.

[…] sie ermöglichen neue Formen der Überlagerung bestehender und sich entwickelnder Kommunikationskanäle […]. […] die Integration bestimmter Mesomedien-Elemente in bestehende Medienangebote [bietet] neue Möglichkeiten auch für traditionelle Medienanbieter.«

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Querverweis: Wissenschaftskommunikation, Utopien und Technikzukünfte

5. Januar 2013

Im Herbst 2012 veranstaltete das Karlsruher Institut für Technologie unter der Leitung von Andreas Böhn und Andreas Metzner-Szigeth einen interdisziplinären Workshop zum Thema »Wissenschaftskommunikation, Utopien und Technikzukünfte«:

Mit einer großen Bandbreite an Vorträgen aus so unterschiedlichen Bereichen wie Technikgeschichte, Literatur- und Medienwissenschaften, Maschinenbau und Robotik soll ein Forum geschaffen werden, um verschiedene Diskurse über Wissenschaft und Technik (von professioneller Wissenschafts-kommunikation über ›Technikermöglichungsdiskurse‹ bis hin zu fiktionalen Entwürfen) in aktueller und historischer Perspektive zu diskutieren.

Nun liegen die Videodokumente zu den meisten Vorträgen der facettenreichen Veranstaltung vor (Dauer jeweils rund 20 Min.):
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