21. Dezember 2017
Der im Kontext des Arbeitskreises Soziologie des ABIDA-Projekts entstandene Überblicksartikel »Societal Implications of Big Data« lässt sich nun auf den Seiten der Zeitschrift KI – Künstliche Intelligenz (Springerlink) abrufen.
Modern societies have developed a variety of technologies and techniques to identify, measure and influence people and objects. […] Since 2015, a group of German social scientists has conducted the research project ›Assessing Big Data‹ (ABIDA) with the objective to analyze the societal implications of Big Data—particularly elaborating the question, in what way and to what extent modern technologies of data analysis entail novel societal benefits and risks that differ from previous socio-technical configurations. This paper sets out to discuss a couple of theses concerning this question.
| Social science | Engineering / Data science |
| Goals | Search for explanation why something happens; develop theory | Search for accurate prediction of what happens; create algorithm |
| Focus | Explanation | Practical relevance |
| Beliefs | Data are biased | Data have ground truth cases |
After a short retrospective of digital data analysis, we lay out various applications of data analytics in the light of distinct research cultures between data science and social science. Subsequently, we elaborate how self-tracking and real-time control of complex systems on the basis of data analytics create new individual and collective practices that shape modern societies. As these practices bear many risks for individual rights and collective achievements, we finally shed light on various propositions for the regulation of Big Data. Our argument is that Big Data, real-time analysis and feedback loops increasingly foster a society of (self-)control. But at the same time, these technologies are highly contentious and set the stage for conflict—be it between academic disciplines or different political worldviews.
12. Dezember 2017
In dieser Woche ist der von mir und Marc Mölders zusammen verfasste Artikel »Neue Irritationspotentiale in der ›digitalen Gesellschaft‹« in der Zeitschrift für Rechtssoziologie 37(2) erschienen (De Gruyter | Preprint).
Die ›digitale Gesellschaft‹ verspricht erweiterte Spielräume in der Bearbeitung der Folgen funktionaler Differenzierung für eine Varietät zivilgesellschaftlicher Gegenmächte. Vor diesem Hintergrund nimmt unser Aufsatz die Synchronisationsprozesse zwischen Medien, Politik und Recht in den Blick und diskutiert neue Irritationspotentiale gegenüber autonom operierenden Systemen. Wir beginnen mit einem Rekurs auf die rechtssoziologische Theorie reflexiver Steuerung und stellen danach zentrale Thesen zur Beschleunigung der Korrektur(bedürftigkeit) der Gesellschaft durch Digitalisierung und Internet vor. Daran anknüpfend explizieren wir entlang empirischer Fallskizzen die These, dass eine Effektivierung der Kommunikation alleine noch nicht zu einer erhöhten Annahmewahrscheinlichkeit für die jeweiligen Korrekturanfragen durch das adressierte System führt, sondern dass das Finden und Herstellen anschlussgünstiger Formen nach wie vor ein organisational aufwändiger Prozess ist, der nicht technisch überbrückt werden kann und das Recht in einer zwar veränderten, aber wesentlichen Rolle sieht. Abschließend ordnen wir unsere Überlegungen in eine evolutionäre Perspektive ein.
1. Dezember 2017
Ende November ist die Österreichische Zeitschrift für Soziologie 42(4) erschienen – und mit ihr mein Artikel »Der Akteur: Konstruktion und Dekonstruktion einer Beobachtungskategorie« (SpringerLink | Preprint).
Der Beitrag vertritt die These, dass akteurzentrierte und systemtheoretische Zugriffsweisen weniger in einem konkurrierenden als in einem komplementären Verhältnis zueinander stehen, da sie ihr soziologisches Seziermesser auf divergenten Untersuchungsebenen ansetzen. Vor diesem Hintergrund wird zunächst die Konstruktion der Beobachtungskategorie des „Akteurs“ im akteurzentrierten Institutionalismus beleuchtet, bevor die Dekonstruktion individueller und überindividueller Akteure als stabile Handlungseinheiten in der Theorie sozialer Systeme nachgezeichnet wird. Daran anknüpfend werden am Beispiel der durch die Onlinetechnologien angestoßenen Transformationsprozesse die jeweiligen Beobachtungsschwerpunkte und -lücken illustriert. Der Text mündet in einem Plädoyer für ein produktives Nebeneinander beider Perspektiven.
20. Oktober 2017
In diesen Tagen ist mein Artikel »Open-source projects as incubators of innovation: From niche phenomenon to integral part of the industry« in Convergence erschienen:
Over the last 20 years, open-source development has become an integral part of the software industry. Against this backdrop, this article seeks to develop a systematic overview of open-source communities and their socio-economic contexts. I begin with a reconstruction of the genesis of open-source software projects and their changing relationships to established information technology companies. This is followed by the identification of four ideal-type variants of current open-source projects that differ significantly in their modes of coordination and the degree of corporate involvement. Further, I examine why open-source projects lost their subversive connotations while, in contrast to former cases of collective invention, remaining viable beyond the initial phase of innovation.
15. Oktober 2017
In dieser Woche ist die aktuelle ARD/ZDF-Onlinestudie erschienen, die bereits seit 1997 erhoben wird und insofern einen guten Überblick zu den langfristigen Verschiebungen im medialen Nutzungsverhalten bietet. Einige Kernergebnisse:

Weiterlesen »
1. Oktober 2017
Michael Seemann und Michael Kreil haben auf ctrl+verlust die Ergebnisse einer interessanten Datenstudie zu Filterblasen-/Echokammer-Effekten in webzentrierten Öffentlichkeiten bzw. zu »digitalem Tribalismus« zur Diskussion gestellt:
»Unsere These lautet also, dass wir es bei der roten Fake-News-Gruppe mit einem ›digitalen Stamm‹ zu tun haben und dass die Unterschiede zu der Richtigsteller-Gruppe aus ihren spezifisch tribalen Eigenschaften resultieren. Diese Eigenschaften sind: engere interne Vernetzung bei gleichzeitiger ›Abspaltung‹ vom Mainstream (Restnetzwerk), eine intensive thematische Fokussierung und daraus resultierend eine Anfälligkeit zur Verbreitung von Fake News, die in das thematische Raster fallen.
[…] Der Traum der freien Vernetzung war ein naiver. Nimmt man alle vergesellschaftenden Zwänge weg, treten unsere prädispositiven Sozialisationsmuster nur umso deutlicher hervor. Menschen haben einen fest verdrahteten Hang, Gruppen zu bilden, sich zu identifizieren, sich abzugrenzen. Ja, wir sind freier in unserer Sozialisation denn je, aber das führt eben nicht zu mehr Individualismus, sondern paradoxerweise in vielen Fällen zu einer stärkeren Gruppenaffinität. Der Stammes-Trieb kann sich nur umso freier entfalten und kommt umso unbändiger zum Tragen.«
Mir kommt da nicht zufälligerweise sofort Marshall McLuhan in den Sinn, der 1962 folgende Zukunftsvorhersage gemacht hat:
»Instead of tending towards a vast Alexandrian library the world has become a computer, an electronic brain […]. And as our senses have gone outside us, Big Brother goes inside. So, unless aware of this dynamic, we shall at once move into a phase of panic terrors, exactly befitting a small world of tribal drums, total interdependence, and superimposed co-existence. […] In our long striving to recover for the Western world a unity of sensibility and of thought and feeling we have no more been prepared to accept the tribal consequences of such unity than we were ready for the fragmentation of the human psyche by print culture.«