E-Books: Der Stein kommt (langsam) ins Rollen

24. März 2012

Nicht nur der Film The Artist führt eindrücklich vor Augen, was passieren kann, wenn jemand in Zeiten des Medienumbruchs zulange an bewährten Wegen festhält: Weil der Protagonist George Valentin, ein umjubelter Star der Stummfilm-Ära, nicht an den Erfolg des Tonfilms glauben will, beginnt sein gnadenloser Abstieg, denn das Publikum will fortan sprechende Gesichter sehen: »Out with the old, in with the new«.

Da viele etablierten Akteure des deutschen Buchhandels genau einen solchen Abstieg fürchten, beschäftigt sich die Branche schon seit einigen Jahren mit dem zu jedem Zeitpunkt mutmaßlich kurz bevorstehenden Durchbruch des elektronischen Buchs. Und ebenso titeln große Wochenblätter wie der Spiegel und die Zeit seit 2008 in regelmäßigen Abständen »Digitalbuch vor dem Durchbruch«, »Tschüss, Gutenberg« oder »Goodbye, Gutenberg« (vgl. »E-Books: Warten auf den Durchbruch«).

Auch im Frühjahr 2012 macht sich in der Branche angesichts Amazons wiederkehrender Meldungen über furiose Kindle-Verkaufszahlen eine gewisse Nervosität breit. Laut einer Umfrage eines Teams um Michel Clement, deren Resultate Anfang 2012 publiziert wurden, kann von einem bevorstehenden radikalen Umbruch allerdings bislang kaum die Rede sein: 77 Prozent der buchaffinen Deutschen sind laut dieser Studie noch nicht mit E-Books in Kontakt gekommen und verspüren wenig Interesse, dies in naher Zukunft zu ändern (Gründe: Haptik, Leseerlebnis etc.).

Nun liegen die Umsatz-Schätzungen der GfK für das Jahr 2011 (BRD) vor, die auf regelmäßigen Konsumentenbefragungen basieren (offizielle Zahlen zu den Vertriebswegen werden durch den Börsenverein i.d.R. im Sommer veröffentlicht):

  • Der Anteil elektronischer Bücher am deutschen Buch-Gesamtumsatz lag 2011 laut der GfK bei knapp 1 Prozent (2010: 0,5 Prozent).
  • 2011 wurden in Deutschland geschätzte 4,7 Mio. E-Books heruntergeladen und insgesamt ca. 38 Millionen Euro dafür ausgegeben.
  • Rund 1,2 Prozent der Deutschen ab 10 Jahren kauften im vergangenen Jahr E-Books (Altersschwerpunkt: 40–49 Jahre; höheres Einkommen, häufig männlich).
  • Über 80 Prozent der 2011 verkauften E-Books können dem Belletristik-Bereich zugeordnet werden.

Noch ist der tatsächliche Umsatz mit E-Books also vergleichsweise gering, u.a. aufgrund der zunehmenden Verbreitung von Tablets (z.B. iPad) steigt jedoch das Potential beständig an. Interessant erscheint überdies die Beobachtung, dass die von der GfK ermittelten Marktanteile für E-Books in Deutschland 2010 und 2011 im Großen und Ganzen (und mit einigen Monaten Unterschied) einer Vorhersage aus dem Jahr 2009 entsprechen, die für Mitte 2015 von 8,6 Prozent Marktanteil für E-Books in der BRD ausging. Träfe diese Prognose ein, ließe sich auf absehbare Zeit eher von einer Markterweiterung bzw. Koexistenz von elektronischen und gedruckten Büchern sprechen, als von einem substitutiven Wandel im deutschen Buchmarkt.

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2 Kommentare zu “E-Books: Der Stein kommt (langsam) ins Rollen”

  1. […] den letzten Erhebungen machten e-Book-Verkäufe in Deutschland im letzten Jahr etwa 1% Prozent des gesamten Buchhandels aus. Wenn ich das mit meinen Print-Buch-Verkäufen in Relation setze, fällt auf: Bei »Das Leben ist […]

  2. […] aller Revolutionsrhetoriken (vgl. »Der Stein kommt (langsam) ins Rollen« sowie »Warten auf den Durchbruch«) scheint sich die Nachfrage nach elektronischen Lesematerial […]

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